Inklusion in NRW

90 Prozent der Eltern in Nordrhein-Westfalen sind unzufrieden

Die Sonderpädagogin Sarah Drexelius unterrichtet behinderte und nichtbehinderte Kinder in einer Klasse. FOTO: DPA

Die Sonderpädagogin Sarah Drexelius unterrichtet behinderte und nichtbehinderte Kinder in einer Klasse.

DÜSSELDORF. Fast 90 Prozent aller Eltern sind unzufrieden damit, wie der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern an NRW-Schulen läuft. Nach einer Studie der Berliner Humboldt-Universität beklagen Eltern dabei das zu hohe Tempo beim Umsteuern.

Außerdem fehlten ausgebildete Lehrer für eine Doppelbesetzung in Klassen sowie geeignete Räume. Der Vorsitzende der Gewerkschaft VBE, Udo Beckmann, forderte kleinere Inklusionsklassen und mehr Lehrer.

Bei der Vorstellung der Studie warnte Professor Bernd Ahrbeck in Düsseldorf davor, dass der Erfolg der Inklusion an der Akzeptanz von Eltern, Lehrern und Schülern hänge.

Ein gelungener Prozess sei ohne qualifiziertes Personal aber nicht möglich. "Das kostet Geld. Es ist naiv anzunehmen, dass das ohne ginge", sagte Ahrbeck. Eltern von behinderten und nicht behinderten Kindern klagten, dass diese unter den heutigen Bedingungen nicht ausreichend gefördert würden.

FDP-Fraktionsvize Joachim Stamp kritisierte die "übereilt, ohne qualitative Standards durch den Landtag gepeitschte Inklusion". Die NRW-Abgeordneten stünden ohne Wenn und Aber zum gemeinsamen Lernen. Dies setze aber eine vernünftige Ausstattung voraus. FDP-Schulexpertin Yvonne Gebauer forderte einen Stopp für weitere Inklusionsklassen, falls nötige Standards nicht erfüllt würden.

Bis dahin sollten Fachkräfte an Schwerpunktschulen gebündelt werden. Das stundenweise "Sozialpädagogen-Hopping" zwischen den Schulen müsse beendet werden, sagte Gebauer. Für Förderschüler verlangte Gebauer eine gesetzliche Garantie auf erreichbare Förderschulen und ein umsetzbares Wahlrecht der Eltern.

In der von der FDP in Auftrag gegebenen Studie hatte Professor Ahrbeck Elternvertreter aller Schulformen und Regionen in NRW befragt. Während 80 Prozent positiv zur Inklusion standen, sahen 89,7 Prozent erhebliche Probleme in der Umsetzung. Fast 74 Prozent kritisierten das Tempo.

Nur rund 30 Prozent der Eltern halten die Einstellung von Lehrern und Sozialpädagogen für ausreichend. Knapp 90 Prozent der Eltern verlangten ein Festhalten am Wahlrecht zwischen Förder- und Regelschule. Dabei war die Forderung dort besonders stark, wo langjährige gemeinsame Inklusionserfahrungen vorlagen.