Kommentar zum Zickzack-Kurs bei der Sprachförderung

Zum Mäusemelken

Kinder lauschen einer Erzieherin, die in einer Düsseldorfer Kita aus einem Buch vorliest.

Kinder lauschen einer Erzieherin, die in einer Düsseldorfer Kita aus einem Buch vorliest.

Die Bilanz des letzten Sprachtests in Kindertagesstätten war verheerend. Dass nun alles wieder von vorne anfängt, ist typisch für die praktizierte Bildungspolitik, findet GA-Autorin Sylvia Binner.

Eingeschüchterte Kinder, wenig aussagekräftige Ergebnisse, entnervte Eltern und Erzieherinnen: So lautete die erschütternde Bilanz zum verpflichtenden Sprachtest für Vierjährige, den NRW 2007 einführte – und 2014 unter Applaus von Experten wieder einstellte. Aber der Zickzack-Kurs geht weiter. Jetzt will die neue Landesregierung die Sprachtests wieder ausgraben. Frei nach dem Motto „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“. Dem einzig gültigen Prinzip in der Bildungspolitik, wo gerne am lebenden Kind experimentiert wird. Weil gut gemeint eben lange noch nicht gut gemacht ist – wie bei G 8 oder eben beim Sprachtest Delfin 4.

Ein hübscher Name, aber das war auch schon alles. Als das Mercator-Institut für Bildungsforschung 2013 die zu dem Zeitpunkt bundesweit angewandten 21 (!) verschiedenen Sprachtests untersuchte, schnitt der Delfin aus NRW allenfalls mittelmäßig ab. Nur 13 der untersuchten 32 Kriterien erfüllt, lautete das Urteil. Der Rat der Forscher, die unter anderem die Treffsicherheit bei der Feststellung von Förderbedarf bemängelten, an die Bundesländer: sich auf ein oder zwei Tests konzentrieren und diese verbessern. Aber bekanntlich kocht ja in der Bildungspolitik lieber jedes Land weiter sein eigenes Süppchen...

Dabei ist die Grundidee richtig, sprachliche Defizite frühzeitig zu erkennen, um gegenzusteuern. Und wer könnte das besser als die Erzieherinnen, die ihre Schützlinge Tag für Tag erleben und nicht nur in einer stressigen Testsituation? Genau die hatten den Job 2014 übernommen. Jetzt wieder auf Anfang. Es ist zum Mäusemelken.