Kommentar zu katholischen Bischöfen

Zu wenig Tempo

Bischöfe tragen ein Zucchetto, auch Pileolus genannt, beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Bischöfe tragen ein Zucchetto, auch Pileolus genannt, beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Lingen. Neun Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg räumt die Kirche ein, dass es noch immer nicht in allen Diözesen wirklich unabhängige Ansprechpartner für Missbrauchsopfer gibt. Wieso braucht so etwas neun Jahre? Ein Kommentar.

Es ist ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits bemüht sich die katholische Kirche in Deutschland seit Jahren um eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Diakone. Andererseits aber bleibt sie konsequent hinter den selbst gesteckten Zielen zurück.

Dass der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, im Jahr neun nach Bekanntwerden der Fälle am Berliner Canisius-Kolleg einräumen musste, dass es noch immer nicht in allen Diözesen wirklich unabhängige Ansprechpartner für Missbrauchsopfer gibt, spottet jeder Beschreibung. Auch dass man immer noch an einem Leitfaden für die unabhängige Aufarbeitung in den Diözesen arbeitet, ist bemerkenswert. Wieso braucht so etwas neun Jahre?

Das hätte man wahrlich schon zeitiger hinbekommen können. Sinnvoll ist dagegen ein eigenes deutsches Disziplinargericht, das straffällige Kleriker schneller als bisher und ohne den Umweg über Rom zu nehmen, aus dem Priesterstand entlässt. Keinem Katholiken ist es zuzumuten, dass ein des Missbrauchs überführter Täter weiter als Priester Messen feiert, die Beichte abnimmt oder die Eucharistie einsetzt. Oder eine oft durchaus ansehnliche Pension erhält, während das von ihm geschädigte Opfer an der Armutsgrenze knapst.

Insgesamt aber muss die katholische Kirche bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs noch deutlich mehr Druck machen. Schließlich geht es nicht nur um die Zukunft der Kirche und ihre Rolle in der Gesellschaft. Es geht nicht nur um die Opfer und deren Schicksale. Es geht vor allem darum, dass sich solche Taten niemals wiederholen. Das ist die Kirche, das ist aber auch die ganze Gesellschaft den Opfern schuldig.