Emissionsarmer Kaffee und Elektroshuttles

Wie umweltfreundlich ist die Klimakonferenz?

Bonn. Bei der Bonner Klimakonferenz wollen die Organisatoren einen neuen Maßstab für Umweltfreundlichkeit setzen. Wiederverwendbare Plastikflaschen oder Elektroshuttles sind Teil dieses Plans.

Während Tausende Delegierte in Bonn über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens verhandeln und auf positive Ergebnisse für die Zukunft hoffen, ringen die Organisatoren auf einer anderen Ebene darum, dass vom Klimagipfel nichts bleibt: bei der Umweltbelastung. „Wir werden hinterher von der Treibhausgasneutralität dieser Konferenz sprechen können“, sagt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir die umweltfreundlichste Konferenz ausrichten, die es je gegeben hat.“

Sichtbarster Ausdruck dieses Versuches sind blaue, grüne und gelbe Plastikflaschen, die an den Arbeitstaschen fast aller Teilnehmer baumeln. Einwegwasserflaschen sind auf der Konferenz tabu, jeder bekommt sein eigenes Gefäß, das er an fast 50 Trinkwasserbrunnen auf dem gesamten Gelände nach Bedarf auffüllen kann. Die Rechnung des Umweltministeriums: Wenn jeder pro Tag viermal das Nass nachfüllt, können auf diese Weise mehr als 570.000 Einwegbecher eingespart werden. Den Teilnehmern wie dem Italiener Diego Chitarrini gefällt das Konzept, und sie stehen vor allem in der Mittagszeit geduldig an den Wasserspendern an. Kaffeebecher gibt es weiterhin, doch die seien immerhin recycelbar, heißt es. Im Deutschen Pavillon serviert Kamal Brunner in Porzellantassen zertifizierten Niedrigemissionskaffee aus Costa Rica.

Fisch und Fleisch sind biozertifiziert

Beim Essen setzen die Organisatoren vor allem auf vegetarische Gerichte. Ganz auf Fleisch und Fisch verzichten wollten sie aber nicht. Das Umweltministerium in Berlin ordere inzwischen bei Veranstaltungen ausschließlich vegetarisches Essen, sagt Flasbarth. „Das hat uns begeisterte Zustimmung eingebracht, aber auch einen der größten Shitstorms in den sozialen Medien.“ So gibt es Fisch und Fleisch, aber immerhin biozertifiziert. Zu viel produziertes Essen landet nicht im Abfall, sondern wird an Bedürftige verteilt. Außerdem würden mit Essensresten auch Biogasanlagen befüllt, so Nick Nuttall, Pressesprecher des UN-Klimasekretariats.

Die Liste der weiteren Maßnahmen ist lang und reicht von digitalen Dokumenten statt ausgedruckter Papiere über die Abfallvermeidung bis hin zum Einsatz recycelbarer Materialien.

Von 7 bis 22 Uhr steht für alle Teilnehmer eine elektro- und wasserstoffangetriebene Flotte von 40 Autos bereit, um sie zwischen den beiden Konferenzstandorten hin- und herzufahren. „Das wird sehr gut angenommen“, sagt Fahrer Markus Hlubek. Viele erkundigen sich bei ihm auch nach der neuen Technik. Zeit dazu ist da: Mit Tempo 20 geht es anderthalb Kilometer durch die Rheinaue. Wer sich zu Fuß aufmacht, den 600 Meter langen direkten Weg zurückzulegen, ist schneller. Ebenso wie mit einem Leihfahrrad. 600 Gefährte stehen zur Verfügung und können einfach per App entriegelt und ausgeliehen werden. „Ich mag das System“, freut sich die US-Amerikanerin Keziah Groth-Tuft, als sie ihr Rad abschließt und zur nächsten Veranstaltung hetzt.

Plastikflaschen als Souvenir

Ganz ohne Emissionen kommt die Cop23 aber natürlich nicht aus. Vor allem die Anreise der Teilnehmer schlägt mit 90 Prozent aller erwarteten Emissionen zu Buche. Dieselgeneratoren erzeugen Strom, es gibt eine Ölheizung – Holzpellets zum Beispiel hätten sowohl Kosten als auch Logistik gesprengt, sagt Nina Wettern, Pressesprecherin beim Bundesumweltministerium. Wie hoch die Emissionen sind, vermag sie noch nicht zu sagen. In Kopenhagen 2009 waren es 72.000 Tonnen Kohlendioxid bei 33.000 Teilnehmern, in Paris 2015 43.000 Tonnen bei 67.000 Teilnehmern. Diesmal werden 27.000 Teilnehmer erwartet.

Sicher ist nur: Unvermeidbare Treibhausgase werden über CO2-Emissionsminderungszertifikate aus internationalen Klimaschutzprojekten kompensiert. Das Umweltbundesamt hat am Mittwoch die Ausschreibung veröffentlicht. Und ein unabhängiger Gutachter prüft alle Umweltaspekte der Cop23, denn die Konferenz soll nach dem internationalen Prüfsystem EMAS zertifiziert werden.

An zumindest einem Umweltschutzaspekt haben die Teilnehmer auf jeden Fall großen Spaß, wie die freiwillige Helferin Birgit Wichmann beobachtet hat. „Die wiederverwendbaren Plastikflaschen sind sehr begehrt“, sagt sie. „Auch als Souvenir.“