Kommentar zu Karstadt/Kaufhof

Viele Verlierer

Die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Foto: dpa

Die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Foto: dpa

Bonn. Die Fusion von Kaufhof und Karstadt ist so gut wie über die Bühne - was viele Verlierer produziert, meint GA-Redakteur Florian Ludwig - und zwar nicht nur auf Seiten der Kaufhäuser.

Im vierten Anlauf, daran gibt es kaum noch Zweifel, erfüllt sich der Traum des österreichischen Immobilienmoguls René Benko: Kaufhof und Karstadt verschmelzen zur vielzitierten deutschen Warenhaus AG. Was aus Sicht des Karstadt-Eigentümers sofort plausibel erscheint, bedeutet dennoch nicht weniger als das traurige Ende einer langen und über viele Jahrzehnte auch stolzen Tradition. Das Erfolgsmodell Kaufhaus ist heute in seiner ursprünglichen Form nicht mehr zukunftsfähig. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie manifestiert sich erneut in dem jetzt anstehenden Zusammenschluss.

Die Fusion produziert zunächst viele Verlierer. An erster Stelle sind da die Mitarbeiter vor allem der Kaufhof-Seite. Die desolate wirtschaftliche Situation und die zuletzt befürchtete Pleite der Kaufhäuser unter der Kölner Marke wird einen markanten Stellenabbau zur Folge haben. Wer bleiben darf, muss sich einem Sanierungstarifvertrag beugen und verdient schon bald deutlich weniger Geld. Die Karstadt-Mitarbeiter haben das bereits hinter sich.

Verlierer Nummer zwei wird sich vielleicht nicht gleich als solcher sehen. Doch die Verbraucher dürften die Folgen der Fusion früher oder später zu spüren bekommen. So werden einige der insgesamt knapp 200 Filialen den Zusammenschluss nicht überleben. Aus reiner Nostalgie wird das Management des neuen Warenhaus-Riesen langfristig an keinem Standort festhalten. Nur beklagen dürfen sich die Verbraucher nicht, wenn es dann so weit ist. Sie haben mit ihrem Einkaufsverhalten maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen.