Kommentar zum Fall Frank Magnitz

Verrohung

Der Tatort: Ein überdachter Durchgang, der zu einem Bremer Theater führt.

Der Tatort: Ein überdachter Durchgang, der zu einem Bremer Theater führt.

Dass der Mann, der in Bremen brutal zusammengeschlagen wurde, AfD-Politiker ist, darf bei der Beurteilung der Tat keine Rolle spielen. Keine Relativierungen. Nur: Ein Mann wurde fast totgeprügelt, kommentiert Nils Rüdel.

In Bremen wurde ein Mann brutal zusammengeschlagen. Das Opfer, Vater von sechs Kindern, wurde von den drei Tätern mit einem Gegenstand schwer am Kopf verletzt. Eine entsetzliche, durch nichts zu rechtfertigende Tat – und es sollte bei der Beurteilung völlig egal sein, dass das Opfer, Frank Magnitz, AfD-Politiker ist. Keine Relativierungen nach dem Motto: Er und seine Partei tragen ja selbst zur aufgeheizten Stimmung bei. Kein: Wem nutzt es? Kein Schlimm, aber..., sondern: Schlimm. Punkt. Ein Mann wurde fast totgeprügelt.

Noch sind die Hintergründe unklar, aber die Polizei vermutet ein politisches Motiv. Solche Taten müssen hart bestraft werden. Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Die Grenzen regeln Gesetze. Auch Rechtspopulisten dürfen das, ob es den anderen passt oder nicht. Streit gehört zur Demokratie – aber wenn jemand wegen seiner Meinung an Leib und Leben bedroht wird, gerät die Demokratie in Gefahr.

Der Anschlag auf Frank Magnitz sollte uns innehalten lassen. Wir sehen bereits ein gefährliches Ausmaß der Verrohung der politischen Debatte, dass es einem Angst werden kann. Vor allem die sozialen Netzwerke sind in weiten Teilen zu einem Hort von Hass, Hetze und Entmenschlichung des Gegners geworden – im rechten wie im linken Spektrum.

In diesem Klima ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste aufgehetzte Wirrkopf die Tastatur beiseite legt und zur Tat schreitet – siehe auch die fremdenfeindliche Amokfahrt von Bottrop. Wir müssen zur Vernunft kommen, ehe es den ersten Toten gibt.