Kontroverse in den sozialen Netzwerken

So diskutiert das Netz über die "Bild"-Kritik von Kelber

Ulrich Kelber (SPD).

Ulrich Kelber (SPD).

Bonn. Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber hat die "Bild"-Zeitung scharf kritisiert. In den sozialen Netzwerken erhält er dafür jede Menge Kritik, aber auch Zuspruch.

„Fake-News-Hetze“ à la Donald Trump, „AfD-Stil“ – oder doch ein standhafter Appell für Recht und Wahrheit? Mit seiner heftigen Kritik an den Zeitungen des Springer-Verlags hat der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber gemischte Reaktionen in den sozialen Netzwerken hervorgerufen. In seinem „Berliner Informationsbrief“ hatte der Politiker die Berichterstattung von „Bild“ und „Welt“ als „Angriff auf die liberale Demokratie“ bezeichnet.

Die Springer-Publikationen seien heute „Sprachrohre für die AfD-Ideologie“, so Kelber. Die „Bild“-Zeitung sei überdies „schon immer rassistisch, anti-liberal und populistisch“ gewesen, hieß es in der Originalfassung des Informationsbriefes. Kelber räumte später ein, er sei über das Ziel hinausgeschossen, als er die „Bild“ als „rassistisch“ bezeichnete.

Bei Facebook war die Diskussion zu diesem Zeitpunkt bereits in vollem Gange. Ein Nutzer warf Kelber vor, er wolle mit seinen Äußerungen die Pressefreiheit untergraben, und bescheinigte ihm ein „hetzerisches Verhalten“. Ein weiterer verglich die Thesen des SPD-Politikers mit Trumps Fake-News-Kampagne. Vor allem aber wurde Kelber Populismus vorgeworfen. Zwar sei die Kritik am Springer-Verlag vermutlich gut gemeint, schrieb eine Nutzerin, nur mangele es an der Umsetzung. Man könne anderen nicht einfach Populismus unterstellen „und selbst genauso populistisch schreiben“, so die Kritikerin bei Facebook.

Kelber bekam auch Zuspruch

Weitere Nutzer zogen sogar Parallelen zur AfD. „Erst einen raushauen und nun zurückrudern“ – das alles erinnere an die Strategie der Rechtspopulisten, kritisierte ein Nutzer. Ein anderer ging noch einen Schritt weiter. „Ein Linksextremer macht sich die Sprache der Rechtsextremen zu eigen“, lautete sein Vorwurf.

Doch Kelber erhielt auch Zuspruch über Facebook. Einige Nutzer gaben ihm recht und kritisierten die Berichterstattung der „Bild“ ähnlich scharf wie der SPD-Politiker. Diese habe „mit Journalismus rein gar nichts zu tun“, schrieb ein Nutzer. Die „Bild“ sei zudem „der Nährboden von einem ganz bestimmten politischen Spektrum“, ergänzte ein anderer. Weitere Fürsprecher dankten Kelber für seine klare Positionierung und baten den Bonner Politiker, auch in Zukunft standhaft zu bleiben.

In der Debatte um Kelber klang auch grundsätzliche Skepsis gegenüber Medien an. Einige Nutzer betonten, dass gerade Journalisten gerne kritisierten, sich jedoch im Gegenzug nicht gerne kritisieren ließen. Ein Nutzer warf die Frage auf, ob es in Deutschland überhaupt noch Medienunternehmen gebe, denen man glauben könne: „Fast alle Tageszeitungen schreiben das gleiche“, ärgerte er sich. Wer auf Pro-Contra-Berichterstattung hoffe, könne lange warten.