Europawahl 2014

Pujol duelliert sich mit Beck - Pöttering stellt Buch vor

BONN. Der eine war 18 Jahre Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, der andere 23 Jahre Regierungschef in Katalonien und der dritte ist seit 35 Jahren Mitglied des Europäischen Parlamentes, war davon zweieinhalb Jahre Präsident des Hohen Hauses, das in dieser Woche neu gewählt wird.

Die Rede ist von dem Pfälzer Kurt Beck, dem Katalanen Jordi Pujol und dem Niedersachsen Hans-Gert Pöttering. Am Mittwochabend traten sie in der Bundesstadt auf - Beck und Pujol bei der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP), Pöttering im Haus der Geschichte.

Staatliche Unabhängigkeit Kataloniens

Gemeinsam war und ist ihnen die Leidenschaft für Europa, wie in den Statements vor den insgesamt rund 270 Besuchern der beiden Veranstaltungen deutlich wurde. Wobei sich bei Pujol die Akzente etwas verschoben haben. Wichtiger als die europäische Integration ist dem 83-Jährigen offenbar inzwischen die staatliche Unabhängigkeit Kataloniens.

Seit seiner Jugend habe er sich für eine Autonomie seiner Heimat innerhalb eines demokratischen Spanien eingesetzt, sagte Pujol im Rahmen der Diskussion "Dimension der europäischen Integration - zwischen Separatismus, Populismus und Regionalismus". Gegenüber Spanien sei er immer loyal gewesen, doch inzwischen sei das Projekt eines einheitlichen Staates gescheitert.

"Die Kultur, die Sprache, die Schule und das Fernsehen sind uns sehr, sehr wichtig", sagte Pujol. Innerhalb von Spanien sei die Eigenständigkeit der Katalanen in diesen Bereichen nicht mehr möglich.

Ökonomisch stärkste Region des Landes

Das allerdings sah Beck anders. "Ich habe wenig Verständnis für einen solchen Separatismus gerade in dieser Zeit, in der es darum gehen müsste, dass wir in Europa uns am eigenen Schopf aus der Krise ziehen." Jetzt müsse es das Gebot der Stunde sein mitzuhelfen, dass Spanien aus seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage herauskomme. Katalonien gilt als ökonomisch stärkste Region des Landes.

"Wir haben kein Interesse an einer Zersplitterung Europas", fügte Beck hinzu. Am 9. November werden die Katalanen über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Alles werde absolut pazifistisch und demokratisch sein, versprach Pujol. Zudem werde man Europa gegenüber immer loyal sein.

Als der Mann aus Barcelona Regierungschef seiner Heimat wurde, war Pöttering gerade ins Europäische Parlament eingezogen, das er nach der Wahl verlassen wird.

Pöttering stellt seine Autobiografie vor

Im Gespräch mit Hans Walter Hütter, dem Präsidenten des Hauses der Geschichte, zog Pöttering, auch Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, eine Bilanz seines Wirkens, stellte seine Autobiografie "Wir sind zu unserem Glück vereint" vor, schaute aber auch nach vorn.

Die Ukraine-Krise habe gezeigt, dass es der EU an einer außen-, wirtschafts- und verteidigungspolitischen Strategie fehle. Das sei angesichts der Nähe Russlands zu den Staaten des Baltikums eine der Aufgaben für das nächste Europäische Parlament. Angesprochen auf eines seiner Verdienste sprach er davon, dass er als Chef der EVP-Fraktion, die 2004 die Mehrheit gewonnen hatte, den Liberalen Guy Verhofstadt als Kommissionschef verhindert habe.

José Manuel Barroso wurde es, ein Mitglied der EVP. Die Begründung: Das Europawahlergebnis sollte Berücksichtigung finden. Mit dem Lissabonner Vertrag ist dies offizielle EU-Linie geworden.