Kommentar zu Organspenden

Pragmatismus

Ein Organspendeausweis. Foto: dpa

Ein Organspendeausweis. Foto: dpa

Bonn. In Deutschland fehlen Organspender. Das System setzt auf Freiwillige - doch es geht auch anders, weiß GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Politische Debatten in Deutschland greifen gerne ins Grundsätzliche aus und werden dann schnell unlösbar. Pragmatismus fällt diesem Land schwer. Das praktische Problem ist einfach umrissen: Jedes Jahr fehlen ein paar Tausend Organspender, die nach ihrem Tod anderen Menschen mit Teilen ihres Körpers zu einem neuen, einem besseren Leben verhelfen könnten.

Nur wer einen Organspendeausweis hat oder zu Lebzeiten Angehörigen von seiner Bereitschaft Kenntnis gab, kommt als Spender in Frage. Das reichte nicht, auch wenn die Zahl der Ausweise steigt und jetzt auch die Kliniken bessere Möglichkeiten bekommen sollen, Organspenden umzusetzen.

Deutschland setzt auf Freiwilligkeit, Information und guten Willen. Andere Länder haben die Sache einfach anders herum gelöst und kommen sehr viel besser zurecht. Jeder ist Organspender. Wer es nicht will, muss nein sagen.

Das hilft den Unentschlossenen effektiver auf die Sprünge und verlagert das Problem nicht auf Angehörige, die nach einem Todesfall entscheiden müssen, was in Sachen Organspende der mutmaßliche Wille des Verstorbenen gewesen sein könnte. Natürlich ist es ein Eingriff in Persönlichkeitsrechte, wenn der Spieß einfach umgedreht wird. Aber das ist zumutbar, weil er einer guten Sache dient. Und wer ja sagen kann, der kann auch nein sagen.

Der Gesundheitsminister hat eine Grundsatzdebatte losgetreten. Ein Gesetz will er nicht machen. Das ist halbherzig, denn es mangelt nicht an Erkenntnis und grundsätzlichen Erwägungen. Es mangelt an Handlungsbereitschaft.