Arbeitsminister Schneider

"Potenzial für die Fachkräftesicherung"

DÜSSELDORF. Fast 80.000 Einwanderer in NRW verfügen über Berufsabschlüsse, die hier bisher nicht anerkannt werden. Weil nach Angaben von Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) "ein beträchtlicher Teil der Flüchtlinge bei uns bleiben wird", will NRW künftig mehr im Ausland erworbene Diplome und Abschlüsse anerkennen.

2013 wurden in 4452 NRW-Anerkennungsverfahren nur 528 abgelehnt - zwei Drittel der Anerkennungen betrafen Pflege- und medizinische Berufe.

"Die Zuwanderung von hochqualifizierten Migranten wird ein immer wichtigeres Potenzial für die Fachkräftesicherung", sagte Schneider dieser Zeitung.

Im Integrationsausschuss des Landtags drang Schneider darauf, Flüchtlingen möglichst schnell eine Arbeitsaufnahme zu ermöglichen. Vor dem heutigen Flüchtlingsgipfel des Bundes forderte der Minister eine Korrektur des Asylbewerberleistungsgesetzes, um die Anerkennungsverfahren zu beschleunigen.

Nach einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden bundesweit 50 Prozent der ausländischen Berufsabschlüsse als vollständig gleichwertig anerkannt, weitere 20 Prozent der Abschlüsse galten als teilweise gleichwertig. Mit der Anerkennung der beruflichen Abschlüsse steigt - laut Studie - der Verdienst der Zuwanderer um 28 Prozent. Gleichzeitig sinkt das Risiko, unter der Qualifikation beschäftigt zu werden.

Im Ausschuss präsentierte Arbeits- und Sozialminister Schneider gestern in Düsseldorf eine Bilanz der Anerkennungszahlen 2013. Danach lagen neben Gesundheitsberufen Erzieher- und Hauswirtschaftsberufe (297 Anerkennungen), Organisationsberufe in Betrieben (156), technische Qualifikationen (147) und Forschungsberufe (144) vorn.

Die meisten Anerkennungen von Berufen gab es für Russlanddeutsche und Zuwanderer aus Polen, Rumänien, den Niederlanden, Griechenland, Russland, Spanien, Türkei und Syrien.