Kommentar zum Ende der Cebit

Opfer des Erfolgs

Neuheit auf der Cebit im Jahre 1990: Drei Kilo wiegt das von einem deutschen Unternehmen vorgestellte tragbare Faxgerät. Es kann über Akkustik-Koppler mit jedem Telefon verbunden werden.

Neuheit auf der Cebit im Jahre 1990: Drei Kilo wiegt das von einem deutschen Unternehmen vorgestellte tragbare Faxgerät. Es kann über Akkustik-Koppler mit jedem Telefon verbunden werden.

HANNOVER. Die Computermesse Cebit wird nach mehr als 30 Jahren eingestellt. GA-Chefredakteur Helge Matthiesen meint: Eine Messe zum Thema Digitalisierung ist in Zeiten des globalen Netzes ein Widerspruch in sich.

Als es auf der Erde noch mehr als vier Digitalkonzerne gab, als selbst im heimischen Paderborn noch Rechner vom Band liefen, da war die Cebit-Welt noch in Ordnung. Computer waren Maschinen, und Neuheiten zeigte die Branche auf der Messe. Später genügte Steve Jobs dann ein Theatersaal, um das iPad zu präsentieren, und das Netz sorgte für die Verbreitung der Botschaft. Hunderttausende pilgerten in den 1990er Jahren nach Hannover, weil nirgendwo sonst der digitale Fortschritt besser zu bestaunen war. Das ist jetzt vorbei und der Digitalstandort Deutschland, der an dieser Stelle einst führend war, verliert einen weiteren bekannten Namen.

Jetzt lässt sich leicht das Lied vom Niedergang des einst führenden Standorts Deutschland anstimmen. Aber das wäre komplett falsch, denn der globale Wettbewerb, der zu einer brutalen Vereinheitlichung von Hard- und Software geführt hat, bot deutschen Produkten von Anfang an nur eine schwache Basis.

Machen wir uns nichts vor: Mehr als der Name Cebit war es eben nicht mehr. Eine Messe zum Thema Digitalisierung ist in Zeiten des globalen Netzes ein Widerspruch in sich. Was bringt es, sich einmal in Jahr in zugigen Hallen einer norddeutschen Provinzmetropole zu treffen, dafür in überteuerten Hotels zu nächtigen, wenn doch das Geschäft virtuell und weltweit ohnehin ständig, schnell und sehr bequem läuft? Digitalisierung ist ein Fortschritt und macht das Leben leichter. Die Cebit hat die Digitalisierung vorangetrieben und ist deswegen ein wenig auch Opfer des eigenen Erfolgs.