Flächendeckende Tests

NRW will Sprachniveau von Kita-Kindern testen

Kinder lauschen einer Erzieherin, die in einer Düsseldorfer Kita aus einem Buch vorliest.

Kinder lauschen einer Erzieherin, die in einer Düsseldorfer Kita aus einem Buch vorliest.

Düsseldorf. Der Plan von flächendeckenden Tests erfährt Zustimmung. Zudem will die Landesregierung die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten flexibilisieren.

Das Vorhaben der Landesregierung, flächendeckend das Sprachniveau von Kita-Kindern zu testen, trifft bei Elternvertretern und Pädagogen grundsätzlich auf Zustimmung. Ziel müsse es aber sein, die Kita-Kinder dann auch entsprechend zu fördern, sagte Regine Schwarzhoff, Vorstand des Elternvereins NRW. „Das Sprachvermögen nimmt ab, auch weil viele Eltern ihre Kinder zu lange digitalen Geräten aussetzen.“

Immer weniger Eltern hätten eine kritische Grundhaltung gegenüber Smartphones oder Tablet-Computern. „Es gilt vielfach sogar als putzig, wenn Kleinkinder über den Bildschirm wischen.“ Die sprachliche Kompetenz gehe dabei aber immer mehr verloren, auch weil Eltern selbst häufiger mit ihren Handys beschäftigt seien und weniger mit ihren Kindern sprächen.

In diese Kerbe schlägt auch NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP). „Wir stellen fest, dass es auch beim Alltagssprachgebrauch hiesiger Kinder Defizite gibt. Das kann Folge von Reizüberflutungen und dem unreflektierten Umgang mit digitalen Medien sein“, sagte Stamp in einem Interview dieser Zeitung.

Forderung nach flexibleren Öffnungszeiten

Auch Maike Finnern, Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW, sieht bei der Sprachförderung Defizite: „Die Diagnose ist richtig, aber wir dürfen dort nicht stehen bleiben“. Es müssten auch die entsprechenden Ressourcen geschaffen werden, um die Kinder tatsächlich besser fördern zu können. Ein Ansatz sei dabei, den Betreuungsschlüssel zu verbessern, also dafür zu sorgen, dass eine Erzieherin sich um weniger Kinder kümmern muss. Finnern zufolge kommen in Nordrhein-Westfalen auf eine Kita-Erzieherin in manchen Kommunen zehn Kinder, laut GEW sollten es hingegen rechnerisch maximal 7,5 sein bei den Über-Dreijährigen und bei den Unter-Dreijährigen höchstens drei pro Erzieherin.

Die schwarz-gelbe Landesregierung arbeitet zurzeit an einer umfassenden Reform des Kita-Gesetzes, um die Qualität der Betreuung insgesamt zu verbessern und die Öffnungszeiten zu flexibilisieren. Allerdings sei der Bedarf an längeren Öffnungszeiten regional sehr unterschiedlich. „Dort, wo die Nachfrage besteht, wird es die entsprechenden Angebote geben, etwa Öffnungszeiten bis 18 oder 19 Uhr“, sagte Familienminister Stamp. Die Öffnungszeiten der Kitas müssten gerade in den Randzeiten flexibler werden.

Wann das neue Kinderbildungsgesetz in Kraft treten wird, ließ der Familienminister noch offen: „Ob wir 2019/20 schon so weit sind oder noch ein weiteres Jahr brauchen, werden wir sehen.“ Aus der rot-grünen Zeit sei nur „eine Grundidee“ vorhanden, so Stamp. „Wir müssen bei der Kibiz-Reform ganz neu aufsetzen.“ Der Familienminister weiter: „Das Problem ist, dass die Vorgängerregierung sich nicht getraut hat, mit den Kommunen und den freien Trägern sowie den Kirchen in die Diskussion zu gehen. Wir wollen einen Konsens mit den Trägern und Kommunen finden und sind jetzt in Vorsondierungen.“