Programm "Ganztag plus"

NRW-Grüne wollen Ganztagsbetreuung kräftig ausbauen

Essensausgabe an einer Ganztagsschule in Bochum: Mit einer Initiative für die Weiterentwicklung des schulischen Ganztags wollen die Grünen im Wahlkampf punkten.

Essensausgabe an einer Ganztagsschule in Bochum: Mit einer Initiative für die Weiterentwicklung des schulischen Ganztags wollen die Grünen im Wahlkampf punkten.

Düsseldorf. Die Grünen in NRW haben ihr Programm „Ganztag plus". Demnach soll Ganztagsbetreuung für Kinder armer Familien nichts kosten. Die Pläne der Partei in der Übersicht.

Die Grünen wollen im Falle einer erneuten Regierungsbeteiligung jährlich 600 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Ganztagsschulen in NRW investieren. Der Staat soll zum Beispiel an jeder Grundschule in jeder Ganztagsgruppe einen Erzieher und darüber hinaus weiteres Fachpersonal finanzieren. Und für Familien, die weniger als 18 000 Euro im Jahr zur Verfügung haben, soll der Ganztag nichts kosten. „Wir möchten Schulen Schritt für Schritt zu ganztags geöffneten Lernorten machen“, sagte Sylvia Löhrmann, die Spitzenkandidatin der Grünen und NRW-Schulministerin, bei der Vorstellung des Programms „Ganztag plus“.

Die Pläne der Grünen sehen keinen „Zwangs-Ganztag“ vor, also keine Pflicht zum Unterricht bis in die Nachmittagsstunden hinein. Schulen, die den Kindern nur eine offene Ganztagsbetreuung anbieten, sollen weiter neben Schulen existieren, die die Nachmittage mit Pflichtstunden füllen. Sämtliche Anträge sollen bewilligt werden. „Wir wollen die Vielfalt des Angebots fortführen und die Elternwünsche berücksichtigen“, erklärten Löhrmann und die Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer. Viele Eltern lehnen ein „Zwangskorsett“ ab und wollten, dass ihre Kinder früh aus der Schule kommen.

Grundschulen, die komplette Ganztagszüge anbieten möchten, sollen ein zusätzliches Bildungsbudget von 15 000 Euro bekommen. Mehr Geld ist auch vorgesehen für Grund- und weiterführende Schulen, die zusätzliche Bildungsangebote außerhalb der normalen Stunden anbieten, zum Beispiel am frühen Morgen, nach 16 Uhr oder in den Ferien.

Laut Schulministerium haben inzwischen mehr als 90 Prozent der Grundschulen in NRW ein Ganztagsangebot. Aber nur jeder zweite Grundschüler nimmt das Angebot auch an. Und ein verpflichtender Ganztag ist in der Primarstufe die große Ausnahme. Die meisten Gymnasien verzichten bis heute auf ein Ganztagsangebot.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lobt die Ausbaupläne. „Das muss man grundsätzlich positiv bewerten. Wir fänden es allerdings besser, wenn das Geld vorrangig in den Ausbau des gebundenen, also des verpflichtenden Ganztags fließen würde“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer dieser Zeitung. Die Freiwilligkeit im offenen Ganztag führe dazu, dass manche Kinder früh nach Hause gehen und andere noch in der Schule bleiben. Im Sinne der Kinder sei das nicht.

Mit Blick auf die Lehrerbesoldung streben die Grünen eine bessere Bezahlung von Grundschullehrern an. Absolventen sollen künftig sofort nach A 13 (bisher: A12) bezahlt werden. Begründet wird dies unter anderem mit der inzwischen gleichen Studiendauer aller Lehrämter.