Kommentar zum neuen Bonner Stadtdechanten

Mutige Entscheidung

Wolfgang Picken beim Interview in seiner Plittersdorfer Wohnung.

Wolfgang Picken beim Interview in seiner Plittersdorfer Wohnung.

Bonn. Dass er die katholische Kirche beleben kann, hat Wolfgang Picken in Bad Godesberg bewiesen. Seine Gestaltungs- und Überzeugungskraft wird nun auch im Stadtdekanat gefragt sein, kommentiert Bettina Köhl.

Es zeugt von Mut, dass Wolfgang Picken seine Godesberger Komfortzone verlässt und die Herausforderung des Bonner Stadtdekanats annimmt. Immerhin ist er ein gebranntes Kind. In Düsseldorf, wo über seine Person als möglicher Stadtdechant wochenlang öffentlich diskutiert wurde, war er so heftigen Anfeindungen ausgesetzt, dass er sich zurückzog. In Bonn sind die Voraussetzungen anders, Erzbischof Woelki hat Fakten geschaffen, ein Zurück gibt es nicht mehr.

Ob es ein kluger Schachzug war, ausgerechnet Schumachers Kontrahenten zum Stadtdechanten zu machen, wird sich zeigen. Offene Auseinandersetzungen hat es nicht gegeben, die beiden Pfarrer haben sich höflich ignoriert. Es wirkte fast so, als ob Bad Godesberg nicht zum Stadtdekanat gehörte. Insofern kommt Picken tatsächlich „von außen“, bereit für einen Neustart.

Die Bedingungen dafür sind alles andere als rosig: die Rücklagen aufgebraucht, das Münster geschlossen, die dazugehörige Gemeinde winzig, der Pfarrgemeinderat zurückgetreten, die Mitarbeiter verunsichert. Dass er die katholische Kirche beleben kann, hat der Pfarrer in Bad Godesberg bewiesen. Seine Gestaltungs- und Überzeugungskraft wird nun auch im Stadtdekanat gefragt sein.

Die Nachfolge-Entscheidung des Erzbischofs kam schneller als erwartet, wenn auch nicht völlig überraschend. Wolfgang Picken wurde immer wieder als möglicher Nachfolger gehandelt. Er ist gut vernetzt und hat Erfahrung im Krisenmanagement. Den Rückhalt der anderen Bonner Pfarrer hätte er verdient – von denen wollte es keiner machen.