Finanzbericht des Erzbistums

Kein Kirchensteuergeld für Missbrauchsstudie

Der Erweiterungsbau am Godesberger Clara-Fey-Gymnasium bietet neue Unterrichtsräume und eine Bibliothek. Ein Bild von der Einweihungsfeier im Mai vorigen Jahres.

Der Erweiterungsbau am Godesberger Clara-Fey-Gymnasium bietet neue Unterrichtsräume und eine Bibliothek. Ein Bild von der Einweihungsfeier im Mai vorigen Jahres.

Köln. Das Erzbistum legt seinen Finanzbericht vor. Darin steht, dass das Vermögen des Erzbistums auf 3,74 Milliarden Euro gestiegen ist. Das Geld wird weniger in Bauten, sondern in Personal investiert.

Hermann Josef Schon ist ein vorsichtiger Finanzchef. Jahr für Jahr präsentiert der Ökonom die Daten und Fakten des Kölner Erzbistums und weist stets auf die Risiken hin, die mit den Zahlen verbunden sind – auch an diesem Donnerstag wieder. Vorsichtig ist Schon in der Regel auch, wenn es um die Kalkulationen geht. Und so rechnete der Finanzchef für 2017 mit Einnahmen aus der Kirchensteuer von knapp 648 Millionen Euro, also einem Zuwachs von 2,8 Prozent gegenüber 2016.

Sein Credo: Man kann nie genau wissen, wie sich die Konjunktur entwickelt und wie sich demzufolge die Einnahmen aus der Kirchensteuer entwickeln. Umso mehr freute er sich, dass die Kirchensteuer 2017 insgesamt 656 Millionen Euro abwarf und das Erzbistum einen Zuwachs von vier Prozent verzeichnete. Damit wurde auch der Überschuss in Höhe von 29,1 Millionen Euro möglich.

Die Kirchensteuer ist der größte Einnahmeposten der Erzdiözese und machte 72 Prozent der Erträge aus. Insgesamt wurden 882,6 Millionen Euro an Einnahmen verbucht. Jeder Katholik im Erzbistum zahle im Schnitt 330 Euro im Jahr an Kirchensteuer, sagte Schon. Darüber hinaus erhielt die Kölner Kirche unter anderem Zuschüsse des Landes in Höhe von 122 Millionen Euro für den Betrieb der 32 erzbischöflichen Schulen, in denen rund 20.000 junge Menschen unterrichtet werden.

Baumaßnahmen an Schulen

Baumaßnahmen an ihren Schulen muss die Diözese aber selbst tragen. So verzeichnet der Finanzbericht für 2017 zum Beispiel Ausgaben von 3,3 Millionen Euro für einen Bauabschnitt Naturwissenschaften der Ursulinenschule in Hersel, knapp zwei Millionen für die Erweiterung der Naturwissenschaften und des Turnhallentrakts im Clara-Fey-Gymnasium in Bad Godesberg und eine Million für den Neubau der erzbischöflichen Gesamtschule in Bad Honnef.

Wofür gab das Erzbistum sonst noch Geld aus? Rund 370 Millionen Euro gingen an die Pfarrgemeinden und Verbände – sieben Prozent weniger als im Jahr zuvor. Laut Schon hat das damit zu tun, dass nicht so viel Geld für Kirchensanierungen oder neue Kitas ausgegeben wurde als 2016. Dafür stiegen die Personalkosten von 316 auf 331 Millionen Euro um knapp fünf Prozent – auch weil das Erzbistum im vorigen Jahr 40 neue Verwaltungsleiter eingestellt hat, also Fachkräfte, die die leitenden Pfarrer von unnötiger Bürokratie entlasten und ihnen mehr Freiraum für die Seelsorge verschaffen sollen. Insgesamt arbeiten beim Erzbistum derzeit 4459 Menschen. Nicht darunter fallen die Beschäftigten in den einzelnen Pfarrgemeinden.

823 Millionen Eigenkapital

Das Eigenkapital gibt das Erzbistum mit 823 Millionen Euro an. Hinzu kommen 1,76 Milliarden Euro Eigenkapital in Rücklagen, so dass sich insgesamt 2,59 Milliarden ergeben. Das Vermögen besteht zum größten Teil aus Finanzanlagen wie Rentenpapieren, Aktien und Immobilienfonds (2,87 Milliarden Euro). Sachanlagen wie Immobilien, Schulen, das Museum Kolumba, Bildungshäuser und vermietete Häuser werden mit knapp 710 Millionen Euro angegeben. Insgesamt stieg das Vermögen des Erzbistums um 95 Millionen auf rund 3,74 Milliarden Euro.

Noch kein Geld zurückgelegt worden sei für die von Kardinal Rainer Maria Woelki angekündigte zusätzliche externe Untersuchung zu den Missbrauchsfällen im Erzbistum, sagte Finanzchef Schon. Klar sei aber, dass die Finanzierung „nicht über Kirchensteuermittel“ erfolgen soll. Derzeit werde über die Auftragsmodalitäten gesprochen. Generalvikar Markus Hofmann kündigte an, dass die Untersuchung „zügig und gründlich“ durchgeführt werden soll und man „in spätestens einem Jahr“ einen Zwischenbericht vorlegen wolle. Schließlich gehe es darum, „verlorenes Vertrauen in die Kirche zurückzugewinnen und den Blick nach vorn zu richten“.