Kommentar zum Wirtschaftswachstum in NRW

Kein Grund zu feiern

Die Konjunktur läuft: NRW – hier der Bonner Hafen – profitiert von weltweitem Rückenwind.

Die Konjunktur läuft: NRW – hier der Bonner Hafen – profitiert von weltweitem Rückenwind.

Bonn. Die schwarz-gelbe Landesregierung feiert, dass Nordrhein-Westfalen nach Jahren unterdurchschnittlichen Wachstums wieder Anschluss an den Bundestrend gefunden hat. Doch Früchte der eigenen Arbeit sind das nicht.

Die schwarz-gelbe Landesregierung feiert, dass Nordrhein-Westfalen nach Jahren unterdurchschnittlichen Wachstums wieder Anschluss an den Bundestrend gefunden hat. Wer will es ihr verdenken – ein gutes halbes Jahr nach der Ablösung von Rot-Grün? Doch Früchte der eigenen Arbeit sind das nicht.

Die Maßnahmen in den beiden bisherigen Entfesselungspaketen von Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart dürften zwar Potenzial freigesetzt haben oder noch freisetzen, doch so schnell, wie CDU und FDP das gern hätten, zeigt sich das in den Statistiken nicht. Für den Aufschwung in Deutschland und auch in NRW sind andere Faktoren verantwortlich, wie die RWI-Forscher deutlich gemacht haben. So hat die internationale Konjunktur 2017 deutlich an Fahrt aufgenommen, auch im Euro-Raum entwickelt sich die Wirtschaft kräftig, zudem leistet der deutsche Außenhandel einen hohen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Expansion. In NRW ist es der Dienstleistungssektor, der laut RWI vor allem zum Aufschwung beigetragen hat.

Kritisch bewerten die Forscher, dass es zwar mit 7,2 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote seit Anfang der 90er Jahre im Land gibt, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit aber – aufgrund struktureller Ursachen – weiter klar hinter dem bundesweiten Stand zurückbleibt. Das bedeutet: Erst wenn der Abbau der Arbeitslosigkeit genauso schnell wie im Bundesgebiet vonstattengeht, dann wäre es ein Erfolg für Schwarz-Gelb.