Kommentar zu den Parteitage von FDP und Grüne

Kampf um Platz drei

Kämpft für die FDP und ist zugleich schärfster Konkurrent für die Grünen: Liberalen-Parteichef Christian Lindner.

Kämpft für die FDP und ist zugleich schärfster Konkurrent für die Grünen: Liberalen-Parteichef Christian Lindner.

Berlin. Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl. Auf zwei Parteitagen in Berlin haben sich FDP und Grüne in Stimmung gebracht.

Grüne oder FDP. Womöglich kommt es so: Grüne und FDP. Nach zwölf Jahren in der Opposition wollen die Grünen zurück in die Regierung. Nicht um jeden Preis, aber wenn die Inhalte stimmen, wären die Grünen erkennbar bereit, zum ersten Mal auf Bundesebene ein Bündnis mit der Union und zur Not auch mit ihrem ewigen Konkurrenten, der FDP, zu wagen – ein Zweckbündnis unter Demokraten. Dafür wird vor allem die Union unter Angela Merkel einen hohen Preis bezahlen müssen, wenn sie eine nächste große Koalition mit der SPD vermeiden will.

2013 haben die Grünen nach Sondierungsgesprächen mit der Union entschieden, sich nicht in eine schwarz-grüne Koalition im Bund zu stürzen. Die Grünen waren damals in der Neuaufstellung, das Personal an Partei- und Fraktionsspitze musste sich erst noch finden, positionieren und an Autorität gewinnen. Jetzt, vier Jahre später, sehen sich die Grünen stabil aufgestellt für den Eintritt in eine nächste Bundesregierung. Dafür müssten sie ihrer Basis, wenn es dazu kommt, ein glaubwürdiges Ergebnis präsentieren. Bei Klima, Mobilität, Migration oder beim Kampf gegen Kinderarmut wollen die Grünen substanzielle Veränderungen sehen.

Das Rennen um Platz drei ist spannend wie selten. Entsprechend scharf haben die Grünen bei ihrem Wahlparteitag die von ihnen ungeliebte FDP attackiert – und umgekehrt. Grüne wie FDP wissen, dass sie im Zweifel den Unterschied zu einer großen Koalition machen können. Womöglich werden es beide riskieren. Sie wissen: Auch Veränderung braucht einen Anfang.