Kommentar zur Vorbeugung gegen Masern

Impfen rettet Leben

Niels H. spritzte Patienten gefährliche Medikamente, um sich dann bei ihrer Reanimierung als Held und Lebensretter zu zeigen.

Eine Impfpflicht sollte der letzte Ausweg bleiben.

Es ist absurd, dass die viertgrößte Industrienation der Welt es nicht schafft, beim Thema Masern die Ziele der Weltgesundheitsorganisation umzusetzen.

Mit unserer Impfquote von unter 95 Prozent befinden wir uns in der Gesellschaft von Schwellenländern mit unzureichenden Gesundheitssystemen und großer Armut.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich aus gutem Grund das Ziel gesetzt, die Masern wie einst Pest und Cholera auszurotten. Denn Masern sind eine lebensbedrohliche Krankheit. Wer sein Kind nicht dagegen impfen lässt, verhält sich unsozial. Er trägt dazu bei, dass die Viren immer wieder eine Chance bekommen sich auszubreiten. Diese Eltern gefährden auch die Kinder, die aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht geimpft werden dürfen.

Es sind zwei Gruppen von Eltern auszumachen, deren Kinder gegen Masern und auch andere Krankheiten nicht geimpft werden: Jene Eltern, die aus ideologischen Gründen Nein zur Impfung sagen und jene, die sich nicht genug um Gesundheit und Wohlergehen ihrer Kinder kümmern.

Die Argumente der Impfgegner sind schlecht. Sie verweisen auf die Nebenwirkungen. Diese gibt es ohne Zweifel. Einige Kinder leiden nach dem Pikser an Unruhe oder sogar Fieber. Doch die Nebenwirkungen verschwinden wieder. Ein weiteres Argument lautet, Kinder müssten zur Stärkung des Immunsystems möglichst viele Kinderkrankheiten durchleiden. Dabei gibt es viel bessere Methoden, das Immunsystem zu stärken: Man sollte Kinder einfach bei Wind und Wetter draußen spielen lassen. Auch bei einem Urlaub auf dem Bauernhof, bei dem die Sagrotanflasche zu Hause bleibt, bekommt das System der körpereigenen Abwehr ordentlich zu tun. Zudem leiden die Kinder bei einer Ma-sernerkrankung sehr - beim Spielen im Dreck ist das nicht der Fall.

Eltern, die ihre Kinder aus Nachlässigkeit nicht zu Impfungen bringen, benötigen mehr Ansprache. Das im vergangenen Sommer in Kraft getretene Gesetz, das Eltern noch engmaschiger und verbindlicher auf die notwendigen Impfungen aufmerksam macht, ist der richtige Weg. Sollte diese Gesetzesverschärfung die Quote nicht erhöhen können und sollte es in Deutschland weiterhin Masernausbrüche geben, dann muss noch einmal nachgelegt werden. Eine Impfpflicht sollte aber der letzte Ausweg bleiben. Vorher gibt es noch die Möglichkeit, nur geimpfte Kinder in Kitas aufzunehmen.

Im Kampf gegen die großen lebensbedrohlichen Krankheiten sind Impfungen ein Segen. Ihr Nutzen im Vergleich zu ihren möglichen Nebenwirkungen ist wissenschaftlich nachgewiesen und auch für den Laien offensichtlich. Wer sich dagegen wehrt, seine Kinder gegen solche Krankheiten schützen zu lassen, hängt einem falschen Glauben an, der den eigenen Kindern im Zweifel mehr schadet als nutzt.