Kommentar zu Misstönen zwischen CSU und SPD

Gefährliche Zwerge

Alexander Dobrindt will keine "Patchwork-Koalition".

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

BERLIN. Noch ist unklar, ob die SPD in konkrete Gespräche über eine Koalition mit CDU und CSU einsteigen kann. Da kommt CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schon mit einem Brandbeschleuniger um die Ecke.

Noch hat der Landtagswahlkampf in Bayern nicht begonnen. Noch ist offen, ob die SPD überhaupt in konkrete Gespräche über eine Koalition mit CDU und CSU einsteigen kann. Gerade erst haben sich Union und SPD mit großer Mühe über Etappe eins ihrer Gespräche über eine nächste Groko gerettet. Da kommt CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schon mit einem Brandbeschleuniger um die Ecke.

Dobrindt hat vor dem Sonderparteitag einen Zwergenaufstand in der SPD ausgemacht, den Parteichef Martin Schulz schnellstmöglich in den Griff bekommen müsse. Wenn Dobrindt und CSU-Chef Horst Seehofer diese Koalition mit der SPD wirklich wollen, wie sie zuletzt in Kloster Seeon betont haben, sollten sie alles unterlassen, was die ohnehin störrische SPD-Basis weiter provozieren könnte. Denn eine Zustimmung des SPD-Parteitages am Sonntag in Bonn ist keineswegs sicher. Schulz und die gesamte SPD-Spitze werden um das Ja der Delegierten hart kämpfen müssen.

Natürlich weiß Dobrindt um die andere Debattenkultur in der SPD im Vergleich zur obrigkeitsgläubigen CSU. Wenn Dobrindt meint, einen Aufstand der Zwerge bei den Sozialdemokraten anzeigen zu müssen, sollte er auf das eigene Wahlergebnis gucken. Die CSU selbst wird gerade vom Wähler derart gestutzt, als würde Gulliver aus dem Land des Riesen verstoßen. Auch Zwerge können gefährlich werden, wenn es nur ausreichend viele sind. Absolute Mehrheit? Aktuell außer Reichweite. Die CSU versucht, mit Blick auf die Landtagswahl ihr Profil zu schärfen. Wenn sie damit mal nicht am Ziel im Bund vorbeischießt.