Grüße von der Basis

Flensburger OB Simone Lange will sich um SPD-Vorsitz bewerben

Simone Lange (SPD), Oberbürgermeisterin von Flensburg.

Simone Lange will sich um den SPD-Vorsitz bewerben.

BERLIN. Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange will sich um den SPD-Vorsitz bewerben und fordert von der Partei mehr Mitsprache der Basis. Sie findet, dass das Amt nicht von einer kleinen Gruppe festgelegt werden darf.

Ein Schreiben an die „lieben Genossinnen und Genossen“ im Willy-Brandt-Haus hat genügt. 24 Zeilen, die Schlagzeilen machen. Seit Dienstag ist Simone Lange bundesweit im Gespräch – und in Dauertelefonaten. Die Interviewliste kann sie schon nicht mehr abarbeiten. Lange, 41 Jahre alt, seit Januar 2017 Oberbürgermeisterin von Flensburg, fordert die Parteispitze heraus. Wenn die SPD bei einem außerordentlichen Parteitag in diesem Frühjahr über die Nachfolge des gescheiterten wie glücklosen Martin Schulz entscheidet, will die gebürtige Thüringerin der Parteibasis ein Angebot machen. Die bislang bundesweit unbekannte SPD-Politikerin, die von 2012 bis 2016 Mitglied des Landtags in Schleswig-Holstein war, will sich dann um den Vorsitz der Bundes-SPD bewerben.

Ihr Beweggrund: „Ich kann das Gefühl der Ohnmacht vieler Mitglieder gegenüber denen, die in Berlin Entscheidungen treffen, ohne die Basis einzubeziehen, sehr gut nachvollziehen“, lässt Lange die Mitglieder des SPD-Vorstandes wissen. Zu „denen“, die solche vergleichsweise einsamen Entscheidungen treffen, muss sich aus Sicht von Lange die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Andrea Nahles, zählen lassen. Am vergangenen Mittwochabend hatten Schulz und Nahles bei einem gemeinsamen Auftritt im Willy-Brandt-Haus ihren Plan einer künftige Arbeitsteilung verkündet: Schulz würde an die Spitze des Außenministeriums wechseln, ein positives Votum der SPD-Mitglieder zum Koalitionsvertrag immer vorausgesetzt, Nahles übernähme den Parteivorsitz. Nahles parteiinterner Lieblingsfeind, Außenminister Sigmar Gabriel, wäre sein Amt los.

Lange stört sich, wie viele andere SPD-Mitglieder, am Verfahren. Die Kriminalpolizistin, die 1995 nach dem Abitur für ein Studium an der Verwaltungsschule in Kiel-Altenholz, Fachbereich Polizei, nach Schleswig-Holstein zog und seither dort ihren Lebensmittelpunkt hat, fordert Mitsprache der Basis. Lange: „Das Amt der Bundesvorsitzenden ist von weitreichender Bedeutung für die gesamte Partei und das gesamte Land und darf nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden.“

Lange, verheiratete Mutter zweier Kinder, plädiert für „eine offene Diskussion um die Besetzung“ an der SPD-Spitze. Jedes Mitglied müsse die Möglichkeit haben, seine Meinung dazu abzugeben. Ihr Ärger über das von Schulz und Nahles im engsten Kreis beschlossene Verfahren ist unüberhörbar: „Eine Einzelkandidatur, die von Funktionsträgerinnen und Funktionsträger beschlossen und ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder Neuanfang sein.“

Interessant: Noch am Montag hatte der schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner gemahnt, „dass es nicht um Personaldebatten und Einzelinteressen geht, dass die Disziplinlosigkeiten aufhören müssen“. Und dann dieser Vorstoß einer SPD-Oberbürgermeisterin aus seinem Landesverband. Lange hatte 2016 als gemeinsame Kandidatin von SPD, CDU und Grünen die OB-Wahl in Flensburg schon im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gegen Amtsinhaber Simon Faber vom Südschleswigschem Wählerverband gewonnen. Nach ihrem Sieg gab sie die Losung aus: „Das Ziel ist jetzt, Bürgernähe zu schaffen.“ So wie sie jetzt für mehr Nähe der Parteispitze zur Basis plädiert. Auch dafür soll ihre „ernsthafte Kandidatur“ für den SPD-Vorsitz helfen. Lange: „Ich bin überzeugt davon, dass dieser Schritt jetzt notwendig ist, denn mutige Politik braucht mutige Entscheidungen.“