9200 neue Plätze

Flüchtlingskinder sollen schnell in die Kita

Der Schriftzug "Kita" ist mit Fingerfarbe auf das Fenster einer Tagesstätte gemalt.

Der Schriftzug "Kita" ist mit Fingerfarbe auf das Fenster einer Tagesstätte gemalt.

DÜSSELDORF. NRW will Tausende junge Flüchtlingskinder früher in die Kitas führen, um schnell mit Deutschkursen zu beginnen. NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) fördert für die erste Zeit nach der Ankunft in Flüchtlingsheimen mobile Kitas, um den Übergang zum späteren regulären Kita-Besuch zu erleichtern.

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kamen in den ersten sechs Monaten 2015 5800 Kinder unter sechs Jahren nach NRW.

"Mit Vollendung des ersten Lebensjahres haben auch Flüchtlingskinder in Kommunen unabhängig vom Aufenthaltsstatus Anspruch auf einen Betreuungsplatz", sagte Schäfer. Nach oft traumatischen Fluchterlebnissen profitierten diese Kinder besonders von frühkindlichen Bildungsangeboten. Oft scheuten sich Eltern nach der Verfolgung in der Heimat, ihre Kinder in staatliche Obhut zu geben, sagte Schäfer.

In der Kita lernten Kinder jedoch spielerisch Deutsch und zwischenmenschliche Verhaltensregeln der neuen Kultur kennen. Die Kita-Kosten für Flüchtlingskinder finanziert das Land. Daneben stellt NRW 2015 für mobile Kita-Angebote sechs Millionen Euro bereit.

Im neuen Kita-Jahr stehen in NRW rund 9200 zusätzliche Kita-Plätze bereit. Zwar bleibt NRW nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaft (IW) vom März 2015 bei der Versorgung mit Plätzen für Unter-Dreijährige bundesweit Schlusslicht. Schäfer sprach aber von einer "tollen Aufholjagd".

Seit 2013 gebe es bei Bedarf für jedes Kind einen Platz. Die Ministerin räumte aber Engpässe in Städten wie Köln und Münster ein. Insgesamt verfügt NRW über 620 000 Betreuungsplätze - davon 161 000 für Unter-Dreijährige und 458 000 für Über-Dreijährige. Für die Ein- bis Zweijährigen erreiche NRW eine Versorgungsquote von 54,9 Prozent, sagte die Landesfamilienministerin.

Schäfer begrüßte Überlegungen von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), Teile des vom Bundesverfassungsgericht gestoppten Betreuungsgeldes zur Gehaltsanhebung der bundesweit 240 000 Erzieher zu verwenden.

Auch sei es sinnvoll, bei einem möglichen neuen Streik der Erzieher Notgruppen in Kitas einzurichten. Alle hätten verstanden, dass Eltern nicht mehr verzweifelt vor geschlossenen Kita-Toren stehen dürften, sagte Schäfer.

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