Kommentar zur Reform von NRW-Gefängnissen

Ein weiter Weg

Schäferhündin Maja hilft in der Justizvollzugsanstalt in Kleve beim Aufspüren von Drogen.

Schäferhündin Maja hilft in der Justizvollzugsanstalt in Kleve beim Aufspüren von Drogen.

DÜSSELDORF. Etliche Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen müssen saniert werden, zudem gibt es Probleme mit Drogen oder zu geringem Bildungsniveau der Häftlinge. Der Weg zu einem modernen Strafvollzug ist folglich weit, meint GA-Autor Henning Rasche.

Nimmt man Nelson Mandela ernst, dann hat Nordrhein-Westfalen ein Problem. „Eine Nation“, sagte Mandela einst, „kennt man erst dann wirklich, wenn man in ihren Gefängnissen gewesen ist.“ Dort lerne man, wie ein Land seine niedrigsten Bürger behandelt. Für NRW hieße das: nicht gut. Viele Gefängnisse sind Sanierungsfälle und überfüllt. Drogen sind normal; in manchen Anstalten sehr leicht, in anderen etwas weniger leicht zu bekommen. Deutsch ist nicht überall Amtssprache, das Bildungsniveau der Häftlinge stark gesunken und das Aggressionspotenzial hoch. Nein, eine gute Behandlung würde andere Ergebnisse liefern.

Es ist erfreulich, dass Justizminister Peter Biesenbach das ändern will. Zwei große, neue Gefängnisse wünscht er sich für das Land, um mehr Platz im Justizvollzug zu haben. Wissenschaftler schätzen die ideale Größe einer Haftanstalt allerdings auf 200 Plätze. In nordrhein-westfälischen Gefängnissen sitzen durchschnittlich mehr als 480 Häftlinge. Ziel sollten daher keine großen, sondern angemessen große Anstalten sein. Die einzelnen Straftäter sollen resozialisiert werden. Das geht nur mit intensiver Betreuung.

Der Justizminister wählt große Worte dafür, dass er eine Organisationseinheit gegründet hat. Man wird ihn spätestens bei der nächsten Wahl daran messen. Vom Sanierungsfall zum Vorreiter eines modernen Strafvollzugs ist es ein langer und komplizierter Weg. Es gibt in den Gefängnissen natürliche Probleme, die nur mit sehr viel Personal und sehr viel Ausdauer zu beheben sind. Beides ist teuer.