Kommentar zum Erdogan-Besuch

Ein Scherbenhaufen

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Köln/Bonn.

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Köln/Bonn.

Köln. Der Gast ist fort. Jetzt geht es darum, die Scherben aufzukehren, die der Besuch hinterlassen hat, kommentiert GA-Redakteur Kai Pfundt den Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan.

Seit Langem ist kein Staatsgast in Deutschland so offensiv und provokant aufgetreten wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin und Köln. Das Auslieferungsgesuch wegen angeblich in Deutschland lebender Terroristen, die Rassismus-Vorwürfe gegen die deutsche Gesellschaft, der Druck, einen Erdogan-kritischen Journalisten vom Presseauftritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auszuschließen, die harschen Worte im Schloss Bellevue – von der Goodwill-Tour des Präsidenten eines wirtschaftlich strauchelnden Landes war dieser Besuch meilenweit entfernt.

Seine Nazi-Tiraden gegen Deutschland sind hierzulande in quicklebendiger Erinnerung, genauso wie die Verhaftungs- und Repressionspolitik seiner Regierung. Hat Erdogan ernsthaft erwartet, dass seine deutschen Gesprächspartner wortlos darüber hinweggehen würden? Gut, dass sie es nicht taten.

Dass der Aufritt des türkischen Staatschefs bei der Eröffnung der Kölner Großmoschee geeignet ist, den Graben zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der großen Erdogan-Fangemeinde unter den Deutsch-Türken auf Dauer zu vertiefen, passt hundertprozentig ins Bild dieses Staatstrauerspiels.

Hätte es die Moscheegemeinde Ditib ernst gemeint mit dem verkündeten Wunsch, das Gotteshaus als integralen Bestandteil der Stadt zu etablieren, hätte sie Spitzenvertretern von Stadt und Land eine aktive Rolle beim Festakt zuweisen müssen. Statt dessen: Türkischer Präsident, türkische Fahnen, überwiegend türkische Reden. Angesichts der bundesweiten, ja europaweiten Signalwirkung dieser Selbstausgrenzung erscheinen die frommen Integrationsversprechen als Hohlformeln.