Talente in der Politik

Das sind die Polit-Stars von morgen

Berlin. Die Öffentlichkeit bekommt von jungen Talenten in den Parteien oft wenig mit. Diese Sieben könnten bald große Karriere machen.

Angela Merkel ist noch immer auf dem Weg, Helmut Kohls Rekord der 16 Jahre langen Kanzlerschaft einzuholen. Aber 2030 wird sie wohl wirklich nicht mehr Regierungschefin sein. Und gemessen an dem Verschleiß der SPD an Parteichefs wird wohl auch Martin Schulz in zwölf Jahren der politischen Vergangenheit angehören.

Doch wer sind die jungen Talente, die Rising Stars, von CDU, CSU, SPD, Grünen, Linken, FDP und AfD, die dann in der ersten Reihe stehen könnten? Oft bekommt die breite Öffentlichkeit lange nichts von ihnen mit, weil sich alle auf die großen Namen konzentrieren. Womöglich werden sich im nächsten Jahrzehnt die Koordinaten noch kräftig verschieben und etwa die AfD wieder an Bedeutung verlieren. Aber diesen sieben junge Politikerinnen und Politiker haben das Potenzial, große Karriere zu machen:

Nadine Schön (34, CDU) hat es bereits weit gebracht. Die Saarländerin ist stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende mit Schwerpunkt Digitalisierung. Die Juristin und Mutter zweier Söhne pendelt zwischen der Bundesbühne und ihrer „lebenswerten und liebenswerten Heimat“. Nur genau diese wirkt im Moment wie eine Bremse. CDU-Chefin Merkel muss alle Landesverbände bei der Besetzung der Spitzenposten berücksichtigen. Aus dem kleinen Saarland kommt bereits Kanzleramtschef Peter Altmaier. Und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer wäre Merkels erste Wahl, wenn sie noch jemanden von der Saar an die Spree holen kann. So könnte Schön in Wartestellung bleiben.

Stephan Pilsinger (30, CSU) ist der einzige Arzt seiner Partei im Bundestag. Sein Metier ist die Gesundheitspolitik – das Format „Pilsingers Sprechstunde“ kein Zufall. Bei der Nominierung setzte sich der junge Kardiologe deutlich gegen die Bundestagsabgeordnete Julia Obermeier durch und machte danach mit ungewöhnlichen Auftritten auf sich aufmerksam. Das Netzwerken beherrscht er als Münchner Junge-Union-Chef – und nun als Großstadt-Abgeordneter im Bundestag. In der milliardenschweren Gesundheitsbranche kann es einer mit Ahnung und Kontakten weit bringen.

Dirk Wiese (34, SPD) wurde im Januar Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Wiese ist Abgeordneter des Hochsauerlandkreises, wo einst Franz Müntefering antrat. Der Paderborner Jurist arbeitete bei dem früheren SPD-Chef als Referent. Er gilt nicht nur beim konservativen Seeheimer Kreis der SPD als Talent. In der Bundestagsfraktion heißt es, er sei für die Zukunft gesetzt.

Ria Schröder (25, FDP) wechselte vom Rheinland nach Hamburg des Studiums wegen und trat dort in die FDP ein, als die im Bund am Boden lag. Motiv: Die Partei jünger und moderner machen. Sie gehört zum Nachwuchs der Powerfrauen der Liberalen, hat Snowboardfahren als Hobby und setzte sich als Direktkandidatin gegen einen gestandenen FDP-Politiker durch. Landesvorstand Hamburg, Bezirksvorstand Eimsbüttel, das klingt nach gediegener Regionalkarriere – tatsächlich mischt sie als Vize-Chefin aber auch schon den Bundesverband der Jungen Liberalen mit auf.

Annalena Baerbock (37, Grüne) ist seit 2005 bei den Grünen und hat schon eine steile Karriere hingelegt, die sie noch nach ganz oben führen kann. Von 2009 bis 2013 war die gebürtige Hannoveranerin Landesvorsitzende in Brandenburg, 2013 kam sie in den Bundestag. Die lebhafte Energieexpertin war Mitglied des Jamaika-Sondierungsteams. Sie gilt als durchsetzungsfähig. Nun will sie neben Robert Habeck Parteichefin werden. Sollte sie an den Parteilinken scheitern, schlägt ihre Stunde eben später.

Katalin Gennburg (33, Linke) engagiert sich seit 2001 bei der Linken, die damals noch PDS hieß. Im vorigen Jahr nahm die studierte Stadtforscherin bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im Wahlkreis Treptow-Köpenick der SPD das Direktmandat ab. Seit 2016 ist sie Bundesvorstandsmitglied der Linken. Stadtentwicklung und Wohnungspolitik sind ihre Schwerpunkte. In der Partei heißt es über sie, ihr stünden die Türen offen. Dabei sei sie auf wohltuende Weise „nicht vom Ehrgeiz zerfressen“. Die Mutter einer achtjährigen Tochter sagt über sich selbst: „Ich habe keine Karriere-Strategie und in den vergangenen 16 Jahren hat es extrem gut funktioniert, die nicht zu haben“.

Markus Frohnmaier (26, AfD), ehemals Pressesprecher der ausgetretenen AfD-Chefin Frauke Petry, hat die von ihm angeführte Alternative Jugend dort aufgestellt, wo ein Björn Höcke anfängt, sich zu entschuldigen. Wenn die AfD weiter nach rechts rückt, kommt sie bei der Patriotischen Plattform und bei Frohnmaier aus. Der von deutschen Eltern in Rumänien adoptierte junge Rechte soll von Petry als „Kampfzwerg“ charakterisiert worden sein. Er schaffte es sicher in den Bundestag und versucht nun bereits, die AfD als „volkskapitalistische Partei rechts der Mitte“ zu positionieren.