Bundesversammlung in Berlin

Carolin Kebekus: „Eine totale Ehre“

Stimmte mit ab: Kabarettistin Carolin Kebekus.

Stimmte mit ab: Kabarettistin Carolin Kebekus.

Berlin. Von Joachim Löw und Hape Kerkeling über Carolin Kebekus bis zu Iris Berben und Frank Thelen: Bei der Bundesversammlung haben auch viele Prominente abgestimmt. GA-Korrespondent Holger Möhle mit den Stimmen.

Wer zuerst? Im Fraktionssaal der Grünen wollen alle ein Bild mit Jogi Löw. Möglichst ein Selfie: Der Fußball-Bundestrainer und ich. Löw, Wahlmann der Grünen, lächelt und lächelt und lächelt. Später wird er, beim Buchstaben „L“ aufgerufen, in die Osthalle des Reichstagsgebäudes verschwinden, dort seine Wahlunterlagen abholen und sein Votum abgeben.

In einer anderen Ecke des Saales dirigiert der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, einen Chor. Alle sollen „Kohleausstieg“ rufen, weil erstens Kohleausstieg aus Sicht der Grünen gut ist und zweitens alle, wenn sie die Vokale richtig dehnen, automatisch ein Lächeln im Gesicht haben: Also: „Kohleausstieg“. Auch Carolin Kebekus ruft: „Kohleausstieg“. Lustig.

Die Komikerin aus Köln, erklärter Fan des örtlichen FC, ist von den Grünen in Nordrhein-Westfalen für diese 16. Bundesversammlung als Wahlfrau nominiert. „Für mich ist das die totale Ehre“, sagt Kebekus. Und deswegen möge man doch bitte verstehen, dass sie sich nicht zu der Frage, ob das Staatsoberhaupt eventuell in einer Direktwahl bestimmt werden solle, äußern wolle. Denn Direktwahl hieße ja auch: keine Wahlfrauen und keine Wahlmänner mehr, also auch keine Kebekus in dieser Bundesversammlung. Ob ein Bundespräsident Humor braucht? Kebekus ist vom Fach. „Humor ist nie verkehrt. Er hilft immer. Er kann Brücken bauen.“ Stoff für ein neues Programm habe sie bei dieser Bundesversammlung bislang zwar nicht entdeckt. Aber von Steinmeier erhofft sie sich, dass dieser „ein Deutschland der Vielfalt“ repräsentiere, ein zukunftsgerichtetes Land.

„Die Bundesversammlung ist herzlicher, als ich gedacht habe.“

Auch die Dragqueen Olivia Jones, ebenfalls von den Grünen für die Bundesversammlung nominiert, setzt darauf, dass der neue Bundespräsident „für Vielfalt und Toleranz“ stehe. Steinmeier habe die richtigen Eigenschaften, die man im höchsten Staatsamt gut brauchen könne: „bedacht, klug, ruhig“. Jones, die nach einer Bein-OP im Rollstuhl oder auf Krücken durch die Gänge des Reichstagsgebäudes rollt oder geht, sagt noch: „Die Bundesversammlung ist herzlicher, als ich gedacht habe.“

Die Schauspielerin Iris Berben, Wahlfrau auf SPD-Ticket, glaubt, dass Steinmeier ein Präsident für das Volk ist. „Er ist derjenige, der so reden kann, dass die Leute ihm zuhören. Und er kann auch selbst zuhören.“ Gute Voraussetzungen für einen Bundespräsidenten, findet Berben. Schauspielkollegin Veronica Ferres, Wahlfrau auf CDU-Ticket, die allerdings nicht weiß, wie sie dazu gekommen ist, sagt, wie viele Prominente aus dem nicht politischen Lager: „Es ist eine ganz große Ehre, dass ich hier rein darf.“ Außenminister Sigmar Gabriel begrüßt sie mit einem Küsschen links, Küsschen rechts. Man kennt sich aus Niedersachsen.

Hape über Merkel: „Hallo, hat die Humor.“

Hape Kerkeling, Wahlmann der CDU, ist gleichfalls gefragter Promi. Selfies mit ihm sind heiß begehrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat er erstmals aus der Nähe erlebt: „Hallo, hat die Humor.“

Der Bonner Unternehmer und Investor Frank Thelen ist Wahlmann der FDP, bekannt auch aus der TV-Sendung „Höhle der Löwen“, in der Thelen Existenzgründern mit Risikokapital hilft. Angenommen Steinmeier wäre Kandidat bei den „Löwen“, dann hätte er gute Chancen, wenn er Thelen folgendes Produkt anböte: niedrigere Steuern in einem stabilen Steuersystem, mehr Investitionen in Bildung und digitale Infrastruktur, selbstfahrende Autos. Grundsätzlich erhofft sich Thelen vom neuen Bundespräsidenten, dass dieser „einen Kompass für das Volk“ biete und sich „Populisten entgegenstellt“. „Politik ist ein schwieriges Geschäft“, sagt Thelen. Es brauche „Ausdauer und Ruhe“. Wie bei einem Start-Up.