Kommentar zum TV-Duell

Angreifer Schulz

Gäste schauen sich in einer Gaststätte in Tübingen (Baden-Württemberg) das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Schulz an.

Gäste schauen sich in einer Gaststätte in Tübingen (Baden-Württemberg) das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Schulz an.

Berlin. Das TV-Duell sollte Martin Schulz dringend benötigten Schub in den Umfragen geben. Doch nach einem neuen Aufbruch sieht es nicht aus. Ein Kommentar von GA-Redakteur Nils Rüdel.

Zwar hat der SPD-Kanzlerkandidat seine Chance genutzt. Er zeigte sich konzentriert, mitunter angriffslustig und rang Kontrahentin Angela Merkel, die im Wahlkampf so gerne im Vagen bleibt, inhaltliche Aussagen ab. Doch auch Merkel konnte punkten. Sie präsentierte sich als erfahrene Regierungschefin und verwies gekonnt auf ihre Erfolge und die gute wirtschaftliche Lage.

Unterm Strich war der Sonntagabend über weite Strecken mehr ein schwarz-rotes Familientreffen als ein Duell. Bei den Themen Zuwanderung und Integration etwa, die mehr als die Hälfte der 90 Minuten beanspruchten, waren zwischen den Kandidaten kaum grundsätzliche Differenzen erkennbar. Zuweilen wirkte es, als wären die Kontrahenten ein besseres Team als die vier Moderatoren. Als würde sich da schon mal die Neuauflage der großen Koalition präsentieren.

Diese Harmonie ist ganz nach dem Geschmack der Kanzlerin, die am liebsten möglichst geräuschlos wiedergewählt werden will. Zwar gab es am Abend immer mal kurz aufflammende Diskussionen, die wurden dann aber schnell von den Moderatoren abgebrochen. Interessanten Stoff hätten überdies große Zukunftsthemen wie Bildung, Digitalisierung, Klimawandel oder Investitionen ergeben. Doch diese kamen unverständlicherweise gar nicht vor. Nun wird debattiert, wer Verlierer und wer Sieger des Duells ist. Ein Verlierer ist schon klar: das Fernsehen.