Interview mit Arbeitsministerin

Andrea Nahles: „Duale Ausbildung wird geschätzt“

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

Bad Neuenahr. Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist ein zentrales Thema, mit dem sich die G20-Arbeitsminister in Bad Neuenahr beschäftigt haben. Mit Bundesministerin Andrea Nahles sprach Sabrina Bauer.

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Was erwartet uns?

Andrea Nahles: Das weiß kein Mensch, auch die G20 nicht. Was wir aber feststellen ist, dass wir ortsflexibler arbeiten, dass neue Formen von Selbstständigkeit entstehen, die teilweise auch nicht sozial abgesichert sind. Wir haben festgestellt, dass wir neue Qualifikationen bei den Arbeitnehmern brauchen, digitale Qualifikationen, die sie vielleicht bei der Ausbildung gar nicht erwerben konnten. Deswegen kommen wir zu dem Schluss: Da stecken viele Chancen, aber wir müssen den Menschen jetzt auch helfen, dass wir ihnen Qualifikationen und Weiterbildung anbieten, damit sie diesen Transformationsprozess, der stattfindet, gut bewältigen können – und dabei am Ende nicht weniger Arbeit oder schlechtere Arbeit herauskommt, sondern mehr Arbeit und bessere Arbeit.

Was bedeutet der Wandel konkret für die Jugend?

Nahles: Es wird für die jungen Leute sehr viele Chancen geben, weil die natürlich jetzt auch reinwachsen können, sich während ihrer Ausbildung schon in den neuen Medien technologisch auch bewegen, wie die älteren Arbeitnehmer halt nicht. Andererseits: mehr prekäre Arbeit, mehr unstete Arbeit, möglicherweise weniger Planbarkeit der eigenen Biografie. Das ist für junge Leute auch eine Realität. Die Frage ist, wie das bewertet wird. Der amerikanische Kollege Alexander Acosta sagte: Das finden die jungen Leute gar nicht so schlecht. Wir beobachten das teilweise auch. Einige finden das ganz cool. Andere sagen: Naja, mir wäre schon Planbarkeit wichtig. Ich möchte auch weiterhin Sicherheit im Arbeitsleben, will auch anständige Löhne. Da müssen wir eine neue Balance finden. Von daher denke ich tatsächlich: Junge Leute sind diejenigen, die zwar einerseits besser zurechtkommen, aber andererseits müssen wir aufpassen, dass die Sicherheiten, die wir haben in der alten Arbeitswelt, nicht für die Jungen auf der Strecke bleiben.

Braucht jeder Abitur?

Nahles: Nein. Es ist ganz klar deutlich geworden, dass dieser Praxisanteil der Ausbildung, den wir hier in der dualen Ausbildung in Deutschland haben, in der Welt als vorbildhaft gilt. Dass die rein schulisch oder universitären Ausbildungswege eben in einer sehr schnell sich wandelnden Arbeitswelt nicht automatisch als die bessere Ausbildung betrachtet werden, sondern die sagen, es ist doch viel besser, wenn sie in den Betrieben die Prozesse direkt mitverfolgen, es lernen. Gerade die duale Ausbildung wird international sehr, sehr geschätzt – manchmal habe ich den Eindruck mehr geschätzt als im eigenen Land.