Pflegekammer-Gründungsausschussvorstand

"Andere haben bisher für uns die Entscheidungen getroffen"

Hans-Josef Börsch (49) lebt in Zell (Mosel). Er hat als Gymnast, Krankenpfleger und Pflegepädagoge gearbeitet und ist jetzt im Projektmanagement für zwei Krankenhausträger, die Cusanus-Trägergesellschaft Trier (CTT) und für die Marienhaus-Holding GmbH in Waldbreitbach, tätig.

Hans-Josef Börsch.

Bonn. Hans-Josef Börsch ist einer von 13 Mitgliedern des Gründungsausschusses der rheinland-pfälzischen Pflegekammer und dort im Vorstand. Mit dem Krankenpfleger und derzeitigen Projektmanager von zwei Krankenhaus-Trägern sprach Bernd Eyermann.

Warum brauchen Pflegekräfte eine Kammer?
Hans-Josef Börsch: Mit der Kammer haben die Pflegenden ein Organ, das sie politisch vertritt. Zudem wird in der Gesellschaft der besondere Stellenwert der Pflegekräfte deutlicher.

Warum müssen denn alle Pflegenden Mitglied werden?
Börsch: Wenn wir eine starke, durchsetzungsfähige Kammer haben wollen, ist das nicht durch einen freiwilligen Zusammenschluss, sondern nur über eine Pflichtmitgliedschaft zu erreichen.

Was werden die Pflegenden an Beitrag zahlen müssen?
Börsch: Den Beitrag legt die Vertreterversammlung fest, die erstmals im Januar zusammentritt. Insofern entscheiden die Pflegenden selbst über ihren Beitrag. Daher sollten die Mitglieder an der ersten Wahl zur Landespflegekammer teilnehmen oder sich selbst zur Wahl stellen.

Die Spekulationen reichen von unter zehn bis zu 17 Euro pro Monat.
Börsch: Das wird davon abhängen, was die Pflegenden von ihrer Kammer wollen. Beispiel: Wenn sie sagen, wir wollen zu Hause etwas für unsere Fortbildung tun und mit E-Learn-Plattformen arbeiten, dann kostet das natürlich einen bestimmten Betrag.

Was soll die Kammer für die Pflegenden leisten?
Börsch: Es wird zum Beispiel eine einheitliche Berufsordnung geben.

Warum ist das so wichtig?
Börsch: Heute haben die Pflegenden und der Medizinische Dienst, der die Pflege begutachtet, oft unterschiedliche Ansichten darüber, was richtig ist. Darüber hinaus gibt es in verschiedenen Krankenhäusern unterschiedliche Standards. Auch da muss eine klare Linie rein. Die Pflegekammer vertritt den Berufsstand in der Öffentlichkeit.

Können Sie das konkretisieren?
Börsch: Schon jetzt öffnen sich für uns viele Türen. Wir haben einen viel schnelleren Draht zur Politik und können viel schneller Dinge umsetzen. Ein Beispiel: Mich hat mal ein Minister gefragt, wen rufe ich denn an, wenn ich etwas über die Pflege wissen will. Ärzte oder Zahnärzte haben eine Kammer, für die Pflegenden gab es bisher keinen solchen Ansprechpartner.

Es gibt massive Kritik von Pflegekräften. Können Sie das verstehen?
Börsch: Ja sicher. Andererseits: Die Pflegenden sagen immer, sie wollten mehr Anerkennung und über ihre Belange selbst entscheiden. Bisher aber haben immer andere Entscheidungen für uns getroffen. Wir haben uns nie selbst zu Wort gemeldet. Jetzt haben wir eine Möglichkeit, wo wir über unseren Berufsstand diskutieren können. Wir sind de facto auf Augenhöhe mit allen anderen Gesundheitsberufen wie Ärzten und Apothekern.

Sie werben damit, dass 76 Prozent der Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz für die Kammer sind. An der Abstimmung hat sich allerdings nicht einmal ein Viertel der Kräfte beteiligt.
Börsch: Es hätte jeder die Möglichkeit gehabt mitzumachen. Wir haben das Votum doch nicht im stillen Kämmerlein vorbereitet. Wir sehen es positiv, dass 76 Prozent dafür gestimmt haben.

Verdi fürchtet ein Bürokratiemonster, das zu wenig für Pflegekräfte tut. Wie groß wird die Kammer?
Börsch: Das können wir nicht sagen. 2017 geht die Fort- und Weiterbildung vom Land auf die Kammer über. Noch ist nicht klar, wie viele Mitarbeiter wir brauchen.

Es heißt auch, dass die Kammer gar nicht für die größten Probleme in der Pflege zuständig ist. Zum Beispiel für den Kampf gegen den Fachkräftemangel. Warum nicht?
Börsch: Das stimmt nicht. Die Kammer wird sich sehr wohl darüber Gedanken machen, wie man Fachkräfte gewinnen kann. Möglicherweise wird die Kammer auch für die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte zuständig sein.

Zur Person

Hans-Josef Börsch (49) lebt in Zell (Mosel). Er hat als Gymnast, Krankenpfleger und Pflegepädagoge gearbeitet und ist jetzt im Projektmanagement für zwei Krankenhausträger, die Cusanus-Trägergesellschaft Trier (CTT) und für die Marienhaus-Holding GmbH in Waldbreitbach, tätig.