Kommentar zu Frank-Walter Steinmeiers Amtsantritt

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Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck (r.) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (l.) begrüßen den neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (2.v.l.) und seine Frau Elke Büdenbender am Sonntag zur symbolischen Amtsübergabe am Schloss Bellevue in Berlin.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck (r.) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (l.) begrüßen den neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (2.v.l.) und seine Frau Elke Büdenbender am Sonntag zur symbolischen Amtsübergabe am Schloss Bellevue in Berlin.

Bonn. Frank-Walter Steinmeier wird durch Reden und Gesten Demokratie und Gesellschaft im friedlichen Gleichgewicht halten müssen. Das ist in Zeiten von Populismus und internationalen Krisen ein anspruchsvolles Unterfangen.

Jeder neue Bundespräsident hat ein wenig Zeit gebraucht, um sich in sein Amt hineinzufinden. Das wird auch Frank-Walter Steinmeier so gehen, auch wenn er aus der politischen Praxis kommt. Die Rolle des Staatsoberhaupts ist so ganz anders als alle anderen politischen Ämter der Bundesrepublik, und das ist zurzeit besonders wichtig.

Welche Akzente Steinmeier setzen wird, ist offen. Es wird sich zeigen müssen, wie viel Spielraum er für seine eigenen Themen hat. Joachim Gauck musste die Erfahrung machen, dass die Tagespolitik ganz andere Forderungen stellte, als es sein persönlicher Plan vorsah. Steinmeier ist Profi genug, er wird solchen Herausforderungen genügen können.

Themen und Aufgaben liegen auf der Hand. Die kommenden Jahre dürften politisch unruhig bleiben. Steinmeier wird durch Reden und Gesten Demokratie und Gesellschaft im friedlichen Gleichgewicht halten müssen. Das ist in Zeiten von Populismus und internationalen Krisen ein anspruchsvolles Unterfangen. Die Aufgaben werden komplizierter, denn der Wandel Deutschlands durch die demografischen Veränderungen, durch Zuwanderung, durch Globalisierung und Digitalisierung geht weiter. Spannungen sind programmiert, und Steinmeiers Aufgabe wird es sein, das Verbindende zu stärken.

Der Bundespräsident steht über dem politischen Tagesgeschäft, er agiert jenseits der Parteipolitik. So ist das Amt konzipiert, und so haben es seine Inhaber ausgefüllt. Vermutlich ist diese Position in den kommenden Jahren wichtiger denn je. Man darf gespannt sein, wie Steinmeier diese Aufgabe löst.