Kommentar zu den US-Vorwahlen

Zerrissen

Der Republikaner Donald Trump und seine Tochter Ivanka (links) in Spartanburg, South Carolina.

Der Republikaner Donald Trump und seine Tochter Ivanka (links) in Spartanburg, South Carolina.

Washington. Die Wähler in den USA sind so zerrissen wie nie zuvor.

Da sind die Wutbürger und Washington-Hasser, die dem Stammtisch-Radikalen Donald Trump nachrennen. Ein bizarres Revival des Rattenfängers von Hameln. Trotzdem: Der Bauunternehmer ist derzeit der heißeste Kandidat im konservativen Lager um die Nachfolge von Barack Obama. Am anderen Ende des Spektrums stehen links-liberal grundierte Wähler, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie für den Markenartikel Hillary Clinton shoppen oder dem Nischenprodukt „Sozialismus light“ aus der Manufaktur von Bernie Sanders eine Chance geben sollen.

Was dazwischen liegt, ist diffus. Vieles deutet darauf hin, dass der Vorwahl-Kalender für Clinton in den nächsten Wochen mehr Sonne als Schatten verheißt. Sanders schlägt sich wacker. Er könnt aber schon nach den Super-Wahltagen am 1. und 15. März, wenn rund 20 Bundesstaaten und US-Außenterritorien wählen, das sein, was die Amerikaner „Toast“ nennen – von gestern.

Bei den Republikanern muss sich zeigen, wohin es die Stimmen des Augenmaßes zieht, die nach dem in großer Würde vollzogenen Rückzug des tragischen Kandidaten Jeb Bush eine neue Heimat suchen. Nur wenn das Partei-Establishment seine Kräfte bündelt, kann der prinzipienlose Zocker Trump noch in die Bredouille kommen. Marco Rubio ist der Tipp der Woche.

Andernfalls tritt Trump im November gegen Clinton an. Für wen sich das Land heute entscheiden würde? Die Vernunft ruft: Clinton. Das Bauchgefühl hält eine Trumpsche Sensation für möglich.