Kommentar zu Donald Trump und der Presse

Wie ein Despot

Donald Trump hatte schon als Kandidat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Medien - als Präsident setzt er das in einmaliger Weise fort.

Donald Trump hatte schon als Kandidat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Medien - als Präsident setzt er das in einmaliger Weise fort.

BONN. News, die Donald Trump nicht passen, sind Fake News. Mit seinen nun verliehenen "Fake News Awards" treibt er es auf die Spitze. Unser Autor meint: Der US-Präsident will seine Kritiker grundsätzlich diskreditieren.

Man könnte das ja witzig finden. Ausgerechnet Donald Trump, ein notorischer Angeber und Faktenverdreher, vergibt einen „Preis“ für angeblich voreingenommene oder falsche Berichterstattung. Trump freut sich über den Wirbel, seine Anhänger jubeln, und die stolze Republikanische Partei, die Partei Abraham Lincolns, ist sich nicht zu schade, das auch noch auf ihrer Homepage zu feiern.

Stoff für das tägliche Kopfschütteln über den US-Präsidenten? Wieder mal nur „Trump-Bashing“? Witzig ist die Sache leider nicht. Denn Trumps „Fake News Awards“ treiben auf die Spitze, was in den USA schon fast salonfähig ist und auch hier allmählich um sich greift: die Verächtlichmachung der Medien, ja das Schüren von Hass gegen Journalisten. Und damit die Unterhöhlung der Pressefreiheit, die lebenswichtig ist für die Demokratie.

In den mit dem Award ausgezeichneten Fällen waren etwa den TV-Sendern ABC und CNN tatsächlich Fehler in der Berichterstattung unterlaufen. Diese haben sie dann auch korrigiert und Konsequenzen gezogen. Fehler können eben überall passieren.

Um konkrete Fehler aber ging es Trump gar nicht. Der Präsident, dem das Recht auf freie Meinungsäußerung angeblich so wichtig ist, will seine Kritiker grundsätzlich diskreditieren: Alle News, die ihm nicht passen, sind Fake News. Unbestechlichen Fakten stellt er einfach „Alternative Fakten“ gegenüber. Und die Medien bezeichnete er als „Feinde des Volkes“. Das sind Methoden von Despoten. Sie schaffen ein Klima der Angst, der Anpassung und der Obrigkeitshörigkeit.

Demontage der Pressefreiheit

Nicht zu Unrecht verglich der US-Senator Jeff Flake in seiner Brandrede im Kongress Trumps Worte mit denen von Stalin – und erinnerte daran, dass weltweit 262 Journalisten im Gefängnis sitzen, darunter 21 wegen angeblich falscher Berichterstattung. „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt“, zitierte Flake George Orwell, „desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“

Trump und die ihm angeschlossenen Berater, Aktivisten und rechten Medien demontieren die Pressefreiheit nicht mit dem Strafrichter, sondern mit systematischer Propaganda: Durch ständige Angriffe, durch den Vorwurf der Lüge und Einseitigkeit, entziehen sie der Presse die Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig setzen sie selbst Fake News in die Welt. Mehr als 2000 Lügen und verdrehte Tatsachen haben die Faktenchecker der „Washington Post“ dem Präsidenten im ersten Jahr seiner Amtszeit nachgewiesen.

Amerika ist tief gespalten, Trump-Gegner und -Fans leben in ihren eigenen Echokammern, konsumieren ihre eigenen Medien und hören sich gar nicht mehr zu. Diese Entwicklung gibt es schon länger, aber Trump treibt sie mit Macht voran. Wir müssen auf der Hut sein, dass es in Deutschland nicht so weit kommt. „Fake News“ und „Alternative Fakten“ sind längst in die Sprache eingesickert.