Abgestimmte Editorials US-Zeitungen protestieren gegen Beschimpfungen durch Trump

Donald Trump hatte schon als Kandidat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Medien - als Präsident setzt er das in einmaliger Weise fort.

WASHINGTON. In einer ungewöhnlichen Aktion haben sich mehr als 200 US-Zeitungen zusammengetan, um gegen die Attacken seitens des US-Präsidenten Donald Trump vorzugehen. Der hatte seinen Feldzug gegen angebliche Fake News zuletzt verschärft.

Mit abgestimmten Editorials haben sich mehr als 200 US-Zeitungen gegen die Beschimpfungen der Medien durch US-Präsident Donald Trump gestellt. Die ungewöhnliche Kampagne wurde von der Tageszeitung „Boston Globe“ initiiert. „Der schmutzige Krieg gegen die freie Presse muss aufhören“, forderte die Zeitung in ihrem Aufruf.

Die Editorials erschienen am Donnerstag, manche bereits online am Mittwoch. Es machten große Zeitungen mit, darunter die „New York Times“, sowie zahlreiche kleinere Lokalzeitungen.

Trump hatte in den vergangenen Wochen seine Attacken auf die Medien verschärft, die falsche Nachrichten veröffentlichen und seine Erfolge herunterspielen würden. Die Medien seien unpatriotisch und „Feinde des amerikanischen Volkes“. Der Verleger der „New York Times“, A.G. Sulzberger, hatte sich im Juli mit dem Präsidenten getroffen, um Trump zu warnen, dass seine Wortwahl „zunehmend gefährlich“ sei. Die „Times“ habe bewaffnete Sicherheitsleute eingestellt.

Die „Bangor Daily News“ in Bangor in Maine kommentierte, sie habe keine Illusion, dass der Angriff auf die Medien aufhören wird. Wenn die Regierung Journalisten nicht mag, sei das vermutlich, weil diese ihre Arbeit richtig machen. Die „Chicago Sun Times“ vermerkte, Politiker in Schwierigkeiten schlügen immer auf die Medien ein. Trump habe bei Kundgebungen geradezu zur Gewalt gegen Reporter angespornt.

Die „Capital-Journal“ in Topeka in Kansas hatte sich vor der Präsidentschaftswahl in November 2016 als eine der wenigen US-Zeitungen für Trump ausgesprochen. Dieser sei ein Außenseiter, und Amerikaner verlangten nach Neuem. Im Fernsehsender CNN erläuterte „Capital-Journal“-Herausgeber Stephen Wade am Mittwoch (Ortszeit) jedoch, warum er an der Kampagne teilnehme: „Uns als Volksfeinde hinzustellen, ist einfach nicht richtig.“

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