Mike Pompeo übernimmt Amt

US-Außenminister Tillerson via Twitter entlassen

US-Präsident Donald Trump neben seinem bisherigen Außenminister Rex Tillerson. Tillerson hatte mehrfach Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa was den Konflikt mit Nordkorea angeht.

US-Präsident Donald Trump neben seinem bisherigen Außenminister Rex Tillerson. Tillerson hatte mehrfach Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa was den Konflikt mit Nordkorea angeht.

Washington. 14 Monate war er im Amt, jetzt ist auch für Rex Tillerson Schluss. Der ehemalige US-Außenminister wurde von Trump am Dienstag gefeuert und durch Mike Pompeo ersetzt.

Die ersten Spekulationen über seinen Rauswurf (oder Rücktritt) machten schon die Runde, da hatte Rex Tillerson im Februar vergangenen Jahres sein Büro im Außenministerium im Washingtoner Stadtteil Foggy Bottom noch gar nicht richtig bezogen. Denn dass der Chefdiplomat der Vereinigten Staaten von Amerika und sein Präsident nicht auf einer Wellenlänge senden und empfangen, war in den ersten Wochen der Amtszeit Donald Trumps beinahe täglich zu beobachten. Iran, China, Nordkorea, Nato, Russland – kaum ein Thema, bei dem „secretary of state“ und „Commander-in-Chief“ im Gleichschritt marschierten.

14 Monate später hat der Mächtigere von beiden abrupt die Konsequenzen gezogen. Um 8.34 Uhr Ortszeit gab Trump am Dienstag via Twitter die Ablösung des 65-jährigen Texaners bekannt. Oder sollte man besser sagen: Erlösung? „Unsere Denkweise ist nicht wirklich die gleiche“, schrieb der Präsident und fügte die Causa Iran an. Hier ist Tillerson ein strenger Verfechter des Atomabkommens, aus dem Trump am liebsten schon vor Monaten ausgestiegen wäre. Tillerson werde „jetzt viel glücklicher“ sein, stellte Trump flapsig fest.

Anstelle des früheren Öl-Managers wird Mike Pompeo, Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA und seit langem Liebling des Präsidenten, die Führung des State Departement übernehmen. Der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete aus Kansas ist ein energischer Kritiker des Mullah-Regimes in Teheran. Tillersons Rauswurf markiert das Ende eines merkwürdigen Martyriums. „Ich wollte diesen Job nicht“, sagte der weißhaarige Geschäftsmann vor einem Jahr, „meine Frau sagte mir, ich solle ihn annehmen.“ Einmal in Washington angekommen, begann für den an klare Von-oben-nach-unten-Anordnungen gewöhnten Manager das Fremdeln. Zum einem mit einer Bürokratie, die er für überflüssig hält. Was mit ein Grund für seine schlechten Beliebtheitswerte im Außenministerium ist.

„Er kommuniziert miserabel, schottet sich ab und lässt das Ministerium langsam ausbluten, indem wichtige Stellen einfach nicht mehr besetzt werden“, sagte ein ehemaliger US-Botschafter dieser Zeitung noch in der vergangenen Woche. Zum anderen fremdelte Tillerson mit einem Präsidenten, der Außenpolitik via Twitter gestaltet und Kabinettsmitglieder, die anders ticken, gern öffentlich demütigt. Als Tillerson im vergangenen Herbst in der heißen Phase des Nordkorea-Konflikts mühsam Gesprächskanäle nach Pjöngjang freischaufelte und gebetsmühlenartig für eine friedliche Lösung warb, schoss Trump ihm einen gewaltigen Torpedo vor den Bug: Mit dem „kleinen Raketenmann“ (Kim Jong Un) zu verhandeln, sei brotlose Kunst, so Trump.

Das von Beginn an kühl temperierte Verhältnis zwischen Trump und Tillerson hat sachpolitische Gründe, die das Regierungsgeschäft zuletzt zusehends erschwerten. Noch am Montag, als das Weiße Haus noch herumeierte, wies Tillerson im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions in Großbritannien klar Moskau die Schuld zu. Zum Bruch kam es im vergangenen Sommer. Als Trump nach einem tödlich geendeten Aufmarsch von Neonazis in Charlottesville nette Worte für die Extremisten fand, erklärte Tillerson in einem Fernsehinterview mit Leichenbittermiene, der Präsident spreche „nur für sich selbst“.

Wenig später bezeichnete Tillerson lose von Trump ins Spiel gebrachte atomare Aufrüstungspläne Amerikas intern als Kopfgeburten eines „verfluchten Trottels“ und erwog seinen Rücktritt. Warum der Multimillionär dennoch bei der Stange blieb, erklärten informierte Kreise mit Pflichtgefühl. „Zusammen mit Verteidigungsminister James Mattis und Stabschef John Kelly ist Tillerson der Gegenpol zur Sprunghaftigkeit und Unberechenbarkeit des Präsidenten“, kommentierte die Washington Post.

Mit Mike Pompeo (54) kommt nun das Anti-Konzept zu Tillerson an die Macht. Der Absolvent der Militärakademie West Point war Panzeroffizier und Unternehmer, was Trump per se beeindruckt. Zudem pflegt er im Amt als CIA-Chef eine klare politische Sprache, die keine Zurückhaltung verrät: Iran – Bedrohung für den Weltfrieden. Regimewechsel in Nordkorea – warum eigentlich nicht? Im Weißen Haus ist er darum entschieden häufiger als Gesprächspartner zu finden gewesen als Tillerson. In seinem neuen Amt, so Trump, werde er einen „fantastischen Job“ machen. An seine Stelle bei der CIA rückt mit Gina Haspel zum ersten Mal eine Frau. Die 61-Jährige, derzeit CIA-Vizechefin, ist Menschenrechtsorganisationen seit Langem ein Dorn im Auge. Nach den Terroranschlägen von El Kaida am 11. September 2001 leitet sie in Thailand ein Geheimgefängnis der CIA, in dem Terrorverdächtige gefoltert wurden. Deutsche Anwälte haben gegen die Frau, von der es bis gestern kein öffentliches Foto gab, im vergangenen Sommer beim Generalbundesanwalt Strafanzeige gestellt.