Bericht zum Weltflüchtlingstag

UN-Lob für Angela Merkels Flüchtlingspolitik

Für Flüchtlinge wie diese aus dem Südsudan ist die Lage in den Heimatländern weltweit oft katastrophal.

Für Flüchtlinge wie diese aus dem Südsudan ist die Lage in den Heimatländern weltweit oft katastrophal.

BERLIN. Erstmals waren im vergangenen Jahr weltweit mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Krisen. Nur wenige schaffen es in reiche Länder wie Deutschland.

Die Welt ist ein gefährlicher Platz. Filippo Grandi hat viele dieser Orte selbst gesehen: Syrien, Irak, Libyen, Südsudan oder auch zuletzt Venezuela. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge will kein Ranking aufstellen, wo für Menschen der schlechteste Platz auf diesem Erdball ist. „Wenn Sie Rohingya sind, dann ist es in Myanmar für Sie gefährlich. Wenn Sie in Südsudan leben, ist dort für Sie gefährlich. Wenn Sie in Libyen leben, ist es eben dort gefährlich oder in Salvador, wenn Sie von einer Gang bedroht werden“, sagte Grandi bei der Vorstellung des UN-Flüchtlingsberichtes „Globale Trends“ am Mittwoch in Berlin. „Es ist sehr gefährlich, an vielen Orten auf dieser Erde – leider“, so Grandi.

Der UN-Kommissar präsentierte zum Weltflüchtlingstag an diesem Donnerstag einen neuen traurigen Rekord. Erstmals seit Einführung der Statistik waren nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks zum 31. Dezember 2018 weltweit mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies seien 2,3 Millionen Flüchtlinge mehr als noch ein Jahr zuvor – und doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Von den insgesamt 70,8 Millionen Flüchtlingen seien 41,3 Millionen Binnenvertriebene.

Ein weiterer weltweiter Trend: Die meisten Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, flüchten in Nachbarländer, meist ebenfalls arme Staaten. Vier von fünf Flüchtlingen leben nach UN-Angaben im direkten Nachbarland. Im Libanon beispielsweise ist demnach jeder sechste Einwohner ein Flüchtling. Nur 16 Prozent der weltweiten Flüchtlinge hätten es geschafft, reiche Länder wie beispielsweise Deutschland zu erreichen. Grandi lobte explizit die deutsche Flüchtlingspolitik und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe bei ihrer Entscheidung, im Sommer vor vier Jahren zunächst Zehntausende Flüchtlinge unbürokratisch ins Land zu lassen, Mut bewiesen, so Grandi.

Der UN-Flüchtlingskommissar betonte, er sei zur Vorstellung des Weltflüchtlingsberichts bewusst nach Berlin gekommen. Schließlich sei Deutschland ein Land mit Einfluss, dessen Stimme in der Welt gehört werde und das viele UN-Missionen auch als Geldgeber unterstütze. Grandi appellierte an die Regierungen insgesamt, bei der Lösung und zur Bewältigung von Konflikten besser zusammenzuarbeiten. „Die Abweisung von Flüchtlingen ist keine Lösung.“ Und: „Menschen fliehen nicht, weil sie die Wahl haben, sondern sie fliehen, weil sie müssen.“

Bedenklich: Vier von fünf Flüchtlingen kämen aus Krisensituationen, die schon mindestens fünf Jahre andauerten. So spiegelten sich Dauerkonflikte auch in den Herkunftsländern der Flüchtlinge wider. Zwei Drittel aller Flüchtlinge stammten im vergangenen Jahr aus fünf Ländern: Syrien (6,7 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen), Südsudan (2,3 Millionen), Myanmar (1,1 Millionen) und Somalia (950 000). Deutschland stand im vergangenen Jahr auf Platz fünf der zehn größten Aufnahmeländer für Flüchtlinge (knapp 1,1 Millionen).

Caritas-Präsident Peter Neher erklärte dagegen zum Weltflüchtlingstag an diesem Donnerstag: „Die Solidarität in Deutschland gerät immer mehr in Bedrängnis. Die spürbare Hektik bei der aktuellen Vielzahl von Gesetzesvorhaben im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechtes im Schnellverfahren ist einer aufgeheizten Debatte geschuldet, die zunehmend aggressiver geführt wird.“

Die Sprecherin für Flüchtlingspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Luise Amtsberg, forderte: „Das menschenunwürdige Gefeilsche auf dem Mittelmeer um die Aufnahme von Menschen und die Schließung von Häfen muss endlich enden.“ Vor allem: „Die Lage in Libyen ist derzeit die Hölle, besonders für Geflüchtete.“

Auch UN-Kommissar Grandi verwies darauf, dass die Lager in Libyen zu den gefährlichsten Orten für Flüchtlinge auf der Welt gehörten. Die UN brachten mit ihrem Evakuierungsprogramm seit 2017 knapp 3800 Menschen aus Libyen über den Niger in andere Länder oder direkt nach Italien. Laut Grandi gehören Deutschland und Frankreich zu den aktivsten Länder bei der Unterstützung dieses UN-Evakuierungsprogrammes.