Kommentar zum US-Truppenabzug

Trumps Drohung

"Wir werden sehen, ob wir das Treffen beibehalten oder nicht", sagte Trump über die geplante Gesprächsrunde im Handelskonflikt mit China.

Kurz vor den geplanten Europa-Reisen von US-Präsident Donald Trump verschärfen die USA ihre Drohungen mit einem Teilabzug ihrer Truppen aus Deutschland.

Berlin. Nirgendwo in Europa gibt es so viele US-Soldaten wie in Deutschland. Aber wie lange noch? Aus Verärgerung über Deutschlands Militärausgaben drohen die USA mit einem Truppenabzug.

Donald Trump mag Deutschland nicht. Das wird sich, so wie die Dinge liegen, auch nicht mehr groß ändern. Deutschland ist in seinen Augen mehr wirtschaftlicher Wettbewerber oder gar Konkurrent als politischer und militärischer Verbündeter. Vor einem Jahr beim Nato-Gipfel in Brüssel warf er der Bundesregierung vor, sie mache sich wegen der Gaspipeline „Nordstream 2“ gewissermaßen zum Sklaven Russlands. Dann ließ er im Streit um das Zwei-Prozent-Ziel beinahe den Gipfel platzen.

Und nun zieht er ein nächstes Mal die Daumenschrauben an. Trump lässt Deutschland nun offen mit Abzug seiner Streitkräfte drohen. Zur Belohnung dürften die US-Truppen dann nach Polen umziehen, denn Warschau ist aus Trumps Sicht ein vorbildlicher Verbündeter. Es erfüllt auf den Punkt die verabredete Marke in der Nato: 2,0 Prozent. Dass Polen mit einem Verteidigungshaushalt von elf Milliarden Euro gerade ein Viertel des deutschen Wehretats von 43,2 Milliarden Euro stemmt, interessiert den US-Präsidenten nicht. Deutschland soll den Zorn spüren. Amerika zuerst? Dann auf nach Polen! Deutschland wird sich in Zukunft tatsächlich stärker selbst um seine Sicherheit kümmern müssen.

Auf seiner nächsten Europa-Reise macht Trump einen Bogen um Berlin, stoppt dafür aber gern in Kopenhagen und noch lieber in Warschau. Abgesehen davon, dass Angela Merkel bislang auch keine Neigung verspürt hat, Trump zu einem Besuch nach Berlin einzuladen, werden sich die Kanzlerin und der US-Präsident schon beim G7-Gipfel Ende August in Biarritz tief in die Augen sehen. Anders als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Merkel nie versucht, Trump mit einer Charmeoffensive milde zu stimmen. Es hätte auch nichts gebracht – wie auch Macron erfahren musste.