Journalist Bob Woodward

Trump nennt Enthüllungsbuch "schäbiges Zeug"

04.09.2018 Washington . Nach der Veröffentlichung eines neuen Enthüllungsbuchs über die Zustände im Weißen Haus unter Trump setzt der US-Präsident auf Angriff. Er wertet die Geschichten darin als Betrügereien und sieht eine Verschwörung mit den Demokraten.

US-Präsident Donald Trump verurteilt ein neues Enthüllungsbuch über das Weiße Haus und seine Präsidentschaft als „Betrug an der Öffentlichkeit“. Angebliche Zitate von Verteidigungsminister James Mattis und Stabschef John Kelly seien erfundene Betrügereien, schrieb er am Dienstag (Ortszeit) bei Twitter, ebenso verhalte es sich mit anderen Geschichten und Zitaten in dem Buch. „Woodward ist ein Agent der Demokraten? Timing bemerkt?“, fragte er mit Blick auf den Autor und Journalisten Bob Woodward.

Dessen neues Enthüllungsbuch „Fear: Trump in the White House“ hatte am Dienstag im politischen Washington für Wirbel gesorgt. Woodward schrieb darin unter anderem, Berater hätten vertrauliche Dokumente vom Schreibtisch Trumps genommen, um ihn an unüberlegten Handlungen zu hindern. Zudem hieß es, Stabschef John Kelly habe den Präsidenten als „Idioten“ bezeichnet und dessen mentale Fähigkeiten in Zweifel gestellt. Kelly und Mattis wiesen jeweils zurück, entsprechende Aussagen gemacht zu haben.

Bereits gegenüber der konservativen Nachrichtenwebseite „Daily Caller“ hatte Trump das Buch als „schäbiges Zeug“ verunglimpft. Die Veröffentlichung sei „ein weiteres schlechtes Buch“, und Woodward selbst habe eine Menge Glaubwürdigkeitsprobleme. Gegen die Behauptung, Berater hätten vertrauliche Dokumente von seinem Schreibtisch entfernt, wehrte er sich: „Niemand hat irgendwas von mir genommen.“ Trump bezweifelte, ob es besser gewesen wäre, hätte er selbst mit Woodward gesprochen. „Ich denke, es hätte keinen Unterschied in dem Buch gemacht.“

Brisant war unter anderem Woodwards Angabe, Pentagonchef Mattis habe „engen Mitarbeitern“ gesagt, „dass sich der Präsident benehme wie - und das Verständnis habe von - „einem Fünft- oder Sechstklässler““. Solche „verächtlichen“ Worte habe er nie über Trump geäußert, entgegnete Mattis in einer Reaktion. „Obwohl ich normalerweise gerne (Bücher des Genres) Fiction lese, ist das eine unverwechselbare Washingtoner Literaturmarke, und seine (Woodwards) anonyme Quellen geben ihm keine Glaubwürdigkeit.“

Auch Kellys Dementi kam umgehend. „Die Idee, dass ich jemals den Präsidenten einen Idioten genannt hätte, ist nicht wahr“, erklärte er. Es handele sich lediglich um einen weiteren Versuch, Leute aus dem engen Umfeld des Präsidenten mit Dreck zu beschmutzen und von den vielen Erfolgen der US-Regierung abzulenken.

Woodwards Buch ist ein weiteres Enthüllungsbuch über die Trump-Regierung. Im Januar war ein Buch von Michael Wolff veröffentlicht worden, das mit anschaulichen Anekdoten für Aufmerksamkeit sorgte, aber zahlreiche Ungenauigkeiten enthielt.

Trump hat sich zunehmend kritisch über anonyme Quellen geäußert, die von Reportern bei einer Auseinandersetzung mit seiner Regierung verwendet werden. Woodwards Buch identifiziert seine Quellen nicht.

Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders setzte die Kritik an den Medien fort: Die Leistungen und Erfolge Trumps würden in den Medien nicht hinreichend dargestellt. „Demokraten und ihre Verbündeten in den Medien wissen, dass die Politik des Präsidenten funktioniert und dass mit einem Erfolg wie diesem er von niemandem 2020 zu schlagen ist - noch nicht einmal knapp.“ (ap)