Treffen im Weißen Haus

Trump kann sich Kanye West als Nachfolger vorstellen

Kanye West (r.) besuchte Donald Trump im Weißen Haus.

Kanye West (r.) besuchte Donald Trump im Weißen Haus.

12.10.2018 WASHINGTON. Das Hollywood-Establishment meidet den US-Präsidenten weitgehend, doch in Kanye West scheint Donald Trump einen treuen Fan zu haben. Ein Besuch des Rappers im Weißen Haus gerät zur denkwürdigen Show.

Selbst Donald Trump war mal sprachlos: Rapper Kanye West hat mit einem skurrilen Auftritt im Weißen Haus seinem Gastgeber die Show gestohlen. Vor einem Mittagessen mit dem US-Präsidenten setzte der Rapper am Donnerstag im Oval Office zu weitschweifigen, Monologen an. Mal ging es um soziale Themen, mal um futuristische Wasserstoffflugzeuge, dann wieder um psychische Probleme, politische Initiativen von Kanye West - und vor allem um seine Unterstützung für Donald Trump. „Ich liebe diesen Typ hier“, rief der Rapper, erhob sich und umarmte den Präsidenten vor laufenden Kameras.

Während seiner Rede thematisierte West auch seine rote Mütze mit dem weißen Schriftzug „Make America Great again“, dem Wahlkampfmotto Trumps. Viele Leute seien der Meinung, dass man als Schwarzer Demokrat sein müsse. Seine Freunde hätten ihn sogar gedrängt, nicht seine Mütze zu tragen. Doch „diese Mütze, sie gibt mir irgendwie Kraft“, sagte West, und wandte sich direkt an Trump. „Sie haben mir ein Superman-Käppi gemacht.“

Dann zückte er sein Smartphone und zeigte seinem Gastgeber ein Foto von einem wasserstoffbetriebenem Flugzeug. Er finde, es wäre eine gute Alternative zur Präsidentenmaschine Air Force One, sagte West. Überhaupt verdiene der Präsident mehr Respekt, meinte West, und: „Wenn er nicht gut aussieht, sehen wir nicht gut aus.“

Die Szenen im ehrwürdigen Oval Office wirkten surreal, selbst nach den Maßstäben eines unkonventionellen Weißen Hauses unter Trump. Ein verdutzt wirkender Präsident nutzte eine kleine Monologpause denn auch, um dem skurrilen Moment Rechnung zu tragen. „Das hatte es in sich“, erklärte Trump.

West spricht über seine Psyche

Zum Auftakt des Treffens im Oval Office tauschten sich Trump, West und der ebenfalls eingeladene Ex-Football-Spieler und Schauspieler Jim Brown über Nordkorea aus. Trump sagte, vor seiner Amtsübernahme sei die Region in Ostasien auf Krieg zugesteuert. West lobte ihn dafür, einen Krieg gegen Nordkorea verhindert zu haben. Brown sagte, er möge Nordkorea. Trump stimmte zu.

Dann kam West auf die grassierende Gewalt in bestimmten Vierteln in Chicago zu sprechen, wo er aufwuchs. Vor Reportern äußerte er Bedenken über die Polizeimethode „Stop and Frisk“, nach der Beamte Passanten ohne triftigen Grund befragen, abtasten und gegebenenfalls festnehmen. Erst Anfang der Woche hatte Trump die Stadt Chicago aufgefordert, diese Strategie verstärkt anzuwenden. In New York City wurde die Polizeitaktik für verfassungswidrig erklärt, weil vor allem Angehörige von Minderheiten betroffen sind. Nach Wests Einwand sagte Trump nun, er sei offen für Alternativvorschläge. Zugleich äußerte Westaber Kritik am 13. Verfassungszusatz, der Sklaverei verbietet.

Im Oval Office sprach West zudem über seine Psyche, über deren Zustand seit seinem Krankenhausaufenthalt 2016 spekuliert wird. Einmal sei bei ihm eine bipolare Störung festgestellt worden, doch habe ihm ein Neuropsychologe später erklärt, es habe sich um eine falsche Diagnose gehandelt. Vielmehr leide er an Schlafentzug, was in zehn bis 20 Jahren Demenz auslösen könne. Dann würde er sich nicht einmal an den Namen seines Sohnes erinnern, sagte West.

Am Ende erklärte Trump: „Ich sage Ihnen was, das war ziemlich beeindruckend.“ West sei nicht auf den Kopf gefallen. Auf die Frage, ob er sich den Rapper als US-Präsident vorstellen könne, sagte er: „Ist gut möglich“, worauf West sagte: „Aber erst nach 2024.“ (ap)