Politisches Erdbeben

Streit zwischen Trump und Bannon eskaliert

US-Präsident Trump und sein Ex-Chefstratege Steve Bannon: Ihnen lasten manche Konservative eine Mitschuld an der Schlappe in Alabama an.

US-Präsident Trump und sein Ex-Chefstratege Steve Bannon.

Washington. Washington wird von einem politischen Erdbeben erschüttert. Auslöser ist ein Buch, in dem Donald Trumps früherer Chefstratege Steve Bannon brisante Einschätzungen zur Russland-Affäre des US-Präsidenten liefert.

Offiziell erscheint es erst am nächsten Dienstag. Doch schon heute löst ein neues Enthüllungsbuch über das erste Jahr Donald Trumps an der Spitze Amerikas erdbebenartige Erschütterungen aus.

Auf 322 Seiten zeichnet der renommierte, wenn auch nicht unumstrittene Journalist Michael Wolff Trump darin im Prinzip als ignoranten Hallodri, der das Weiße Haus zu einem Kampfplatz verfeindeter Cliquen verkommen lässt. An vorderster Front: Trumps eigene Sippe. Deren Anwälte rufen den Verlag auf, die Auslieferung in letzter Minute zu stoppen. Begründung: Vieles sei gelogen. Man droht mit Verleumdungsklagen.

An marktschreierisch dargebotenen Schlüsselloch-Momenten mangelt es bei Lektüre der ersten Auszüge wahrlich nicht. Was der Leser da zu hören bekommt, muss US-Präsident Trump unter die Haut gegangen sein: Dass er persönlich niemals mit einem Sieg gegen Hillary Clinton gerechnet habe, sondern die Kandidatur nur als Sprungbrett für eine wirtschaftliche Zweitverwertung nutzen wollte. Dass Gattin Melania am Wahlabend geweint habe. Nicht aus Freude. Sondern aus Bestürzung über die bevorstehende radikale Lebensveränderung. Dass nahezu sämtliche Top-Berater ihn mindestens einmal als „Idiot“, „Volltrottel“, „strunzdumm“ oder mental auf dem Stand „eines Kindes“ bezeichnet hätten.

Im Mittelpunkt der Vorabberichterstattung steht aber das mutmaßlich irreparable Zerwürfnis zwischen Trump und seinem ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon. „Er ist seit Langem mein Freund“, sagte Trump noch vor acht Wochen über den cholerisch-polemischen Mann, der in der Schlussphase als Architekt des rechtsnationalen Wahlkampfs nennenswerten Anteil an Trumps Sieg im November 2016 beansprucht. „Ich mag Steve sehr.“

Nachdem bekannt wurde, was Bannon Wolff für dessen neues Werk „Fire and Fury: Inside the Trump White House“ in den Block diktiert hat, vollzog der Commander-in-Chief eine beispiellos radikale Kehrtwende. Er bezeichnete den Medienunternehmer als eigensüchtigen Scharlatan, Intriganten und Hochstapler. Er ließ ihn von Anwälten mit Unterlassungserklärungen bombardieren. Und er erklärte den im vergangenen Sommer unfreiwillig aus Diensten des Weißen Hauses ausgeschiedenen, in rechtskonservativen Wählerschichten aber immer noch verehrten Globalisierungsgegner für geisteskrank. Trump im O-Ton: „Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren.“

Für Trump ist die rote Linie überschritten

Der Grund: Bannon liefert in Wolffs Buch dem in der Russland-Affäre seit Monaten systematisch jeden Stein umdrehenden Sonderermittler Robert Mueller brisante Einschätzungen, die man aus dem engsten Umfeld des Präsidenten so noch nie gehört hat. Sie stehen Trumps Beteuerungen komplett entgegen, wonach es nie geheime Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gegeben habe. Bannon legt das Gegenteil nahe.

Danach sei ein Treffen von Trumps ältestem Sohn Donald Jr. und Schwiegersohn Jared Kushner im Sommer 2016 mit einer Kreml-nahen Anwältin in New York (Zweck: belastendes Material über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton zu erlangen) nichts anderes als „Hochverrat“, „unpatriotisch“ und „übler Mist“ gewesen. „Man hätte sofort das FBI rufen müssen“, wird Bannon zitiert.

Damit nicht genug. Der ehemalige Marineoffizier legt die explosive Lunte ganz nah an Trump persönlich. So würden sich die Ermittlungen Muellers früher oder später auf den Verdacht der „Geldwäsche“ konzentrieren. Betroffen aus seiner Sicht: der Trump-Clan, der ehemalige Wahlkampfleiter Paul Manafort (inzwischen bereits angeklagt) und die Deutsche Bank (Kreditgeber für Trump Senior wie Kushner). Wörtlich prophezeite Bannon, das Donald Trump Jr. zur Zielscheibe der Fahnder und „landesweit im Fernsehen wie ein Ei zerquetscht“ werde. Passend dazu: Über Trumps Tochter Ivanka, ebenfalls offizielle Beraterin ihres Vaters, sagte Bannon, sie sei „dumm wie ein Ziegelstein“.

Für den Patriarchen war mit diesem Breitband-Angriff auf das Heiligste, seine Familie, die rote Linie überschritten. „Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun“, erklärte Trump. Parallel dazu kanzelte das Weiße Haus Wolffs Buch als „trashige Schmierblatt-Fiktion“ ab und bezeichnete den Autor als berüchtigt dafür, „Geschichten zu erfinden“. Wolff will für sein Buch 200 Interviews mit Top-Vertretern der Trump-Regierung geführt haben und bleibt bisher bei seiner Darstellung.