Ölbohrungen

Spanische Insulaner wollen gegen Madrids Willen abstimmen

MADRID. Nicht nur die nordspanische Region Katalonien begehrt mit ihrer geplanten Volksbefragung über die Unabhängigkeit gegen Spanien auf. Nun rebellieren auch die Kanarischen Inseln: Die Regionalregierung der Urlaubsinseln kündigte ein Referendum an, in dem die Bürger zu der umstrittenen Erdölsuche vor der Küste befragt werden sollen.

Die spanische Zentralregierung in Madrid will jedoch - ähnlich wie im abtrünnigen Katalonien - auch diese Volksabstimmung verbieten. Wie der kanarische Ministerpräsident Paulino Rivero mitteilte, sollen die 2,1 Millionen Bewohner der Kanarischen Inseln schon am 23. November darüber abstimmen, ob ihre Inseln dem Tourismus oder der Rohstoffindustrie den Vorzug geben wollen. So haben es das Inselparlament und das Inselkabinett beschlossen.

Die Ölpläne seien eine Bedrohung für die touristische Wirtschaft, von welcher die Ferieninseln vor der westafrikanischen Küste überwiegend leben, sagte Rivero. Und: "Den Naturreichtum der Inseln aufs Spiel zu setzen, bedeutet, die Zukunft der künftigen Generationen zu gefährden." Die Inselgruppe fühle sich von der Zentralregierung in Madrid nicht ernst genommen und behandelt "wie eine Kolonie". Auf den Inseln regiert unter Riveros Führung die regional verwurzelte "Kanarische Koalition".

Schon seit Monaten laufen die Insulaner gegen die geplanten Probebohrungen Sturm. Eine breite Front aus Kanarenregierung, Tourismusverbänden und Umweltorganisationen versucht, die Sondierungen des spanischen Energiekonzerns Repsol zu verhindern, weil sie Angst vor einer Umweltkatastrophe haben.

Und weil sie glauben, dass die Suche nach Öl- und Gasfeldern vor ihren Strand- und Naturparadiesen den guten Ruf ihrer Tourismushochburg schwer schädigen könnte. Jedes Jahr machen rund zwölf Millionen Touristen auf den kanarischen Inseln Urlaub.

Die konservative spanische Regierung, die auch vor Mallorca und Ibiza umstrittene Ölbohrungen vorantreibt, hat keine Bedenken. Die Sondierungen vor den Kanaren sind genehmigt und sollen noch in diesem Herbst starten.

Spaniens Umweltministerium erlaubte vorerst drei Probebohrungen, die von einem Spezialschiff in den bis zu 5000 Meter tief liegenden Atlantikboden getrieben werden sollen. Nicht in Sichtweite der Inseln, sondern rund 50 Kilometer entfernt Richtung afrikanischer Küste. Eine endgültige Erlaubnis für die Ölförderung sei dies noch nicht, versucht die Zentralregierung in Madrid die Wogen der Empörung auf den Inseln zu glätten.

Doch die Ablehnung auf den Kanarischen Inseln ist laut Umfragen ziemlich einhellig. "Glauben Sie, dass die Kanarischen Inseln ihr Umwelt- und Tourismusmodell wegen der Gas- und Ölsuche ändern sollten?", lautet die Frage, welche den Bürgern vorgelegt werden soll. Die eher indirekte Formulierung der Frage rührt daher, dass Tourismus und Umwelt regionale Kompetenzen sind und, wenn überhaupt, dann nur darüber abgestimmt werden kann. Die Antwort der großen Mehrheit der Insulaner dürfte ablehnend sein. Soweit Spaniens Regierung sie antworten lässt.