Kommentar zur Meinungsmanipulation im Netz Soziales Reinemachen

Facebook führt ein Bewertungssystem für die Vertrauenswürdigkeit seiner Nutzer ein.

BONN. Facebook und Twitter haben im Kampf gegen Missbrauch Hunderte Konten, Seiten und Gruppen gesperrt. Unser Autor meint: Die Aufräumaktion zeigt, dass die Internetriesen die Gefahr offenbar ernst nehmen, die in ihren Sozialen Netzwerken schlummert.

Facebook und Twitter gehen gegen Missbrauch ihrer Plattformen vor. Hunderte Konten, Seiten und Gruppen haben die Internetkonzerne gelöscht oder gesperrt. Aus Russland und dem Iran gesteuerte Kampagnen sollten über die nun gesperrten Kanäle durch gezielte Desinformation die öffentliche Meinung manipulieren, so der Vorwurf.

Die Aufräumaktion zeigt, dass die Internetriesen die Gefahr offenbar ernst nehmen, die in ihren Sozialen Netzwerken schlummert. Falschmeldungen ziehen durch krude Thesen und schrille Aufmachung sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Lügen, Hass und Hetze finden dort rasante Verbreitung. Die Stimmen der Vernunft und Aufklärung gehen in der Kakophonie aus Shitstorms und Fake-News gnadenlos unter und finden kaum Gehör.

Vermutlich sehen die Konzerne im Vorfeld der US-Kongresswahlen aber vor allem eine Gefahr für ihr Geschäft. Der Vorwurf, dass im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gefälschte Accounts Falschinformationen verbreitet haben, hallt noch nach. Zu zögerlich sind Facebook und Co. bislang gegen Fake-News vorgegangen. Meist haben sie sich erst dann bewegt, wenn Rufe nach Regulierung laut wurden oder Strafen drohten. Der Alltag hinter dieser öffentlichen Aufräumaktion sieht oft so aus: Hass und Lügen bleiben in den Netzen stehen, ihre Verbreiter unbehelligt. Gegen seinen prominentesten Provokateur hat Twitter sogar eine Ausnahme von den eigenen Regeln ausgesprochen, seine Beiträge zu löschen, würde wichtige Informationen zurückhalten. Er hat 54 Millionen Follower und sitzt im Weißen Haus.

Zur Startseite