Kommentar zum Tod von Talibanchef Mansur

Riskantes Manöver

Nach dem Drohnenangriff: In diesem Auto ist offenbar der Talibanchef Mullah Mohammed Achtar Mansur getötet worden.

Nach dem Drohnenangriff: In diesem Auto ist offenbar der Talibanchef Mullah Mohammed Achtar Mansur getötet worden.

Kabul. Mit dem Tod von Talibanchef Mansur durch eine US-amerikanische Drohne ist klar: Kabul und Washington haben die Hoffnung verloren, mit den Taliban verhandeln zu können.

Für manche Szenarien reichen nicht einmal die wildesten Phantasien. Dazu gehört die Vorstellung, Afghanistans radikalislamische Talibanmilizen würden sich zu Verhandlungen an den Tisch setzen, an dem neben China, Pakistan und Afghanistan auch die USA sitzen – Vertreter jener Macht also, die für den Tod ihres Führers Mullah Achtar Mansur die Verantwortung übernimmt.

Sollte sich der wahrscheinliche Tod des Talibanbosses bestätigen, bleibt nur der Schluss: Washington und Kabul haben vorerst Träume begraben, mit den Regierungsgegnern ins Gespräch zu kommen. Die Enttäuschung ist nachvollziehbar. Schließlich antworteten die Talibanmilizen auf jeden Olivenzweig Kabuls mit neuen Angriffen. Aber die afghanische Regierung wagt ein riskantes Manöver. Militärisch steht Kabul weiter mit dem Rücken zur Wand.

Die Taliban bedrohen gegenwärtig Tirin Kot, die Hauptstadt der Provinz Urusgan. Sollten die landesweit über 300 000 Mann starken afghanischen Sicherheitskräfte wie im vergangenen Jahr beim Fall von Kundus erneut eine Provinzstadt für einige Tage verlieren, würde dies das Ende der Regierung von Präsident Aschraf Ghani bedeuten.

Eineinhalb Jahre nach dem weitgehenden Abzug von Nato-Kampftruppen stellt sich nicht nur die Sicherheitslage als miserabel dar. Wirtschaftlich geht es ebenfalls eher ab- als aufwärts. „Wir haben hier keine Zukunft“, lautete der Satz, mit dem Tausende von jungen Afghanen ihre Flucht Richtung Europa begründeten. Wenn Präsident Ghani das Ruder in diesem Jahr nicht herumreißt, besitzt ganz Afghanistan keine Zukunft mehr.