Kommentar zum Saudi-Thronfolger

Pragmatischer Prinz

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

Riad/Tel Aviv. Die Saudis dürften sich ermutigt fühlen, ihren blutigen Stellvertreterkrieg gegen den Iran im Jemen weiter zu eskalieren, kommentiert Kai Pfundt.

Dass der saudische Thronprätendent Salman Israel ein staatliches Existenzrecht einräumt, klingt beim ersten Hinhören spektakulär. Schließlich gilt die ultrakonservative Ölmonarchie als einer der unversöhnlichsten Gegenspieler des Judenstaates im arabischen Lager. Bemerkenswert sind Salmans Aussagen tatsächlich: Wegen ihres nüchternen Pragmatismus.

Üblicherweise versichern arabische Politiker in ihren Sonntagsreden den entrechteten und vertriebenen Palästinensern so wortreich wie unverbindlich ihre Solidarität. Anders Prinz Salman, der die wirtschaftliche Stärke Israels betont und es als Machtfaktor in der Region anerkennt. Was haben die Palästinenser dagegen zu bieten? Den moralischen Anspruch des Opfers, des Schwachen. Wie schwach, haben am Wochenende die von Israel blutig niedergeschlagenen Unruhen im Gaza-Streifen gezeigt.

Für den Saudi-Prinzen, der seinem Land gerade eine gesellschaftliche Revolution von oben verordnet, spielt sentimentale Rhetorik fürs Volk keine Rolle. Für ihn ist entscheidend, sich mit Israel einem Staat anzunähern, der wie die Saudis selbst den großen regionalen Rivalen Iran als Feind begreift. Dass Salman sich während einer dreiwöchigen USA-Reise erklärte, spricht Bände.

Schließlich ist der Iran für Donald Trumps Weißes Haus der Schurkenstaat schlechthin. Ob der Nahe Osten durch die saudische Annäherung an Israel ein sicherer Ort wird? Eher nicht. Die Saudis dürften sich im Gegenteil ermutigt fühlen, ihren blutigen Stellvertreterkrieg gegen den Iran im Jemen weiter zu eskalieren.