Folgen der Erderwärmung

Neue Partnerschaft auf der Cop23 gegen Klimarisiken

Die Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan Maria am 23. September: Wetterextreme richten immer größere Schäden an.

Die Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan Maria am 23. September: Wetterextreme richten immer größere Schäden an.

BONN. Hurrikane, Dürren, Überflutungen: Die Folgen der Erderwärmung sind gravierend. Doch wie können Versicherungen da helfen?

Mit tropischen Wirbelstürmen hat die Karibikinsel Dominica einige Erfahrung: 1999 traf Hurrikan Lenny die Insel, 2007 war es Hurrikan Dean, 2015 wütete Erika. Doch am 19. September erreichte mit Maria zum ersten Mal ein Hurrikan der Kategorie 5 die Küste und richtete schwerste Schäden an. Die Dächer nahezu aller Häuser, darunter auch das Hauptkrankenhaus, wurden abgedeckt, Internet und Telefon fielen aus, Wasserleitungen barsten. Mindestens 27 Menschen kamen ums Leben.

Immerhin konnte mit Hilfe und Wiederaufbau schnell begonnen werden: Nur drei Tage nach der Katastrophe sagte die Versicherungsfazilität Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) gut 20 Millionen US-Dollar zu, die innerhalb von 14 Tagen ausgezahlt wurden. Das reicht zumindest, um die Zeit zu überbrücken, bis internationale Hilfe anläuft.

Die Idee, sich mit Versicherungen gegen die Folgen von Extremwetterereignissen abzusichern, ist nicht neu. Die CCRIF existiert als staatenübergreifender Versicherungspool bereits seit zehn Jahren, heute gehören ihr 16 Länder an. In Afrika sichert seit 2014 die African Risk Capacity vor allem Dürren in den Ländern der Afrikanischen Union ab, für den pazifischen Raum gibt es die Pacific Catastrophe Risk Insurance Facility. Richtig in Fahrt gekommen ist der Versicherungszug aber erst Mitte 2015 mit dem G7-Gipfel im bayrischen Elmau.

Damals gründeten die G7-Staaten die InsuResilience-Initiative. Das Ziel: Bis 2020 sollen zusätzlich 400 Millionen arme und durch die Folgen des Klimawandels besonders gefährdete Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu direkten oder indirekten Klimarisikoversicherungen erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren weltweit nur 100 Millionen arme Menschen gegen Klimarisiken abgesichert.

Globale Partnerschaft

Jetzt hat die internationale Gemeinschaft noch einmal eine Schippe draufgelegt: Auf der Cop23 startete Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ), gemeinsam mit dem Premierminister der Fidschi-Inseln, Frank Bainimarama, der Weltbank und der Gruppe der 49 am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder (V20) die Globale Partnerschaft für Klima- und Katastrophenversicherungen und Risikofinanzierung.

„Mit der Partnerschaft bringen wir Vertreter der ärmsten und verwundbarsten Länder der Welt und die wirtschaftlich starke G20 erstmalig an einen Tisch“, sagte Silberhorn. „Gemeinsam können wir arme Menschen noch besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels schützen.“ Durch die globale Partnerschaft sollen innovative Versicherungs- und Finanzierungslösungen entwickelt und vorangebracht werden, die besonders auf die Bedürfnisse armer Menschen in den unterschiedlichen Regionen zugeschnitten sind. Deutschland unterstützt diese Partnerschaft mit 107 Millionen Euro.

Die Globale Partnerschaft baut auf der InsuResilience Initiative auf, für die die G7 auf der Pariser Klimakonferenz 2015 bereits 420 Millionen US-Dollar zugesagt hatten. Inzwischen gehören auch die EU und die Niederlande dazu, die Mittel wurden auf 550 Millionen Dollar aufgestockt. Deutschland ist mit insgesamt 190 Millionen Euro beteiligt.

Je größer die Armut, desto größter sind die Folgen

Davon profitieren nicht nur indirekte Ansätze wie die staatenübergreifenden Versicherungspools. Unterstützt werden auch direkte Versicherungslösungen, mit denen sich einzelne Bauern etwa gegen Ernteausfälle infolge von Dürren oder Überflutungen absichern können. Je größer die Armut, desto größter sind die Folgen von Extremwetterereignissen für die Menschen: Oft fehlen ihnen die Mittel, ihre Felder neu anzulegen, oder sie können nur überleben, wenn sie noch den Rest ihres Viehbestandes verkaufen. Die Klimarisikoversicherung kann verhindern, dass sie noch tiefer in die Armut stürzen.

Einfach ist das Projekt Klimarisikoversicherung nicht: „Für die Versicherung muss sich das Ganze rechnen, für die Bauern muss die Prämie erschwinglich bleiben“, erklärt Ingrid-Gabriela Hoven, Abteilungsleiterin im BMZ. Und: „Die Klimarisikoversicherung ist kein Wundermittel, sie muss in ein Risikomanagement eingebettet werden.“ Es geht um integrierte Konzepte, zu denen auch Fortbildung und Beratung gehören. „Die Bauern müssen auch lernen, das Risiko von Ernteausfällen zu reduzieren“, sagt Son Agrawal vom Weather Risk Management Service in Indien. „Man kann nicht Wassermelonen in der Wüste anbauen und sie dann versichern.“