Terroranschlag in Inca vereitelt

Mutmaßlicher IS-Terrorist plante Massaker auf Mallorca

Schlag gegen den Terror: Spanische Polizisten führen einen mutmaßlichen IS-Anhänger auf Mallorca ab.

Schlag gegen den Terror: Spanische Polizisten führen einen mutmaßlichen IS-Anhänger auf Mallorca ab.

Palma de Mallorca. Mallorca ist offenbar einem Terroranschlag entgangen: Einer der vier mutmaßlichen IS-Anhänger, die am Mittwoch auf der Baleareninsel festgenommen wurden, soll ein Blutbad in Inca geplant haben.

Wie das zuständige Gericht nach ersten Vernehmungen der Männer mitteilte, wollte Abdelkaer Mahmoudi auf dem Rathausplatz der Stadt Passanten mit Messern angreifen. Möglichst viele Menschen wollte der Mann, so offenbar sein Plan, bei dem Angriff verletzen und töten.

Mann aus Inca wollte Märtyrer werden

In Manuskripten und Textnachrichten auf Smartphones hätte der Mann aus Inca seine Absichten schriftlich festgehalten. "Abdelkader Mahmoudi hat zugegeben, dass er ein 'Märtyrer' werden wollte“, so ein spanischer Ermittlungsrichter. "Er plante offenbar Gewaltakte – wie ein Massaker auf dem Rathausplatz in Inca."

Nach der Anhörung hatte der Richter Untersuchungshaft für die vier Verdächtigen angeordnet. Für wann genau der Anschlag auf dem zentralen Platz der drittgrößten Stadt der Insel geplant war, ist bisher nicht bekannt.

Mallorca zeigt sich geschockt

Die Nachricht vom geplanten Anschlag löste auf Mallorca tiefe Erschütterung aus. Bewohner, Residenten und Touristen zeigten sich geschockt. "Man hatte es ja irgendwie befürchtet, dass auch Mallorca einmal betroffen sein könnte. Aber dass der Terror so schnell so nah sein würde, hätte ich nicht gedacht", sagte ein Besucher der Taufparty der Aida Parla am Freitagabend dem General-Anzeiger. Auch bei der Veranstaltung im Hafen von Palma hatte die Nachricht über das vereitelte Massaker die Runde gemacht.  

Als Zeichen des Friedens ließen sich in Inca die Imame der Stadt sowie der Vorsitzende der Islamischen Vereinigung der Balearen, Mahfouz Abumafouh, mit den Gemeinderäten bei einem Gruppenbild ablichten. Sie stellten klar, dass sie die ersten seien, die verdächtige Personen anzeigen würden, sollten sie Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vermuten. Gleichzeitig unterstrichen sie ihre Loyalität mit den spanischen Sicherheitskräften. Incas Bürgermeister Virgilio Moreno warnte vor Beschuldigungen und Intoleranz gegenüber muslimischen Mitbürgern.

Laut des Gerichts in Madrid soll die Gruppe international verzweigt gewesen sein und habe nicht nur den Dschihad verherrlichendes Videomaterial hergestellt und verbreitet, sondern soll auch bei wöchentlichen Treffen versucht haben, neue Rekruten - darunter auch Minderjährige - für den IS anzuwerben.

Drahtzieher soll Hass-Prediger aus Großbritannien sein

Wie die Richter mitteilten, haben die Männer in den ersten Vernehmungen dies abgestritten. Sie würden sich nicht mit der salafistischen Ideologie identifizieren, die der Imam und Hass-Prediger Tarik Chadlioui predigt, der ebenfalls am Mittwoch im britischen Birmingham festgenommen wurde. Der Imam gilt als Drahtzieher der Mallorca-Zelle und soll auch ihr spiritueller Anführer gewesen sein. Er war in den vergangenen Jahren schon mehrmals auf Mallorca, um die Zelle aufzubauen, teilte das Gericht mit.

Wie die vier auf Mallorca Festgenommenen jedoch mitteilten, habe der Kontakt zu ihm lediglich deshalb bestanden, um mehr Spendengelder für den Bau einer neuen Moschee auf Mallorca zu erhalten. Dies scheinen die Richter ihnen jedoch nicht zu glauben: "Die Beweislast spricht bisher klar für ihre Schuld", teilten die Richter mit.

Medienberichten zufolge soll Tarik Chadlioui auch einen der Paris-Attentäter vom 13. November radikalisiert haben. Der Attentäter, der zusammen mit Komplizen in der Konzerthalle "Bataclan" 90 Menschen getötet hatte, soll eine zeitlang eine Moschee, in der der Imam predigte, besucht haben.

Verbindungen nach Deutschland

Offenbar gab es auch Verbindungen von der Mallorca-Zelle nach Deutschland: In Dortmund wurde ebenfalls am Mittwoch ein 28-jähriger Spanier inhaftiert, gegen den die Behörden in Madrid wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermitteln, wie die Generalstaatsanwaltschaft Hamm erklärte. Hinweise auf Anschlagspläne in der Bundesrepublik gebe es jedoch nicht. Der Mann sei in Deutschland nie strafrechtlich in Erscheinung getreten, hieß es. Ein Richter will in den nächsten Wochen entscheiden, ob der 28-Jährige nach Spanien ausgeliefert wird.

Die Beschuldigten der Mallorca-Zelle wurden am Freitag ins Gefängnis Soto de Real in Madrid gebracht.