Kommentar zu den Amokläufen in den USA

Mörderischer Hass

Eine Frau sitzt in El Pasos mexikanischer Nachbarstadt Juarez neben einem Schild mit der Aufschrift "No more Guns, make Love".

Eine Frau sitzt in El Pasos mexikanischer Nachbarstadt Juarez neben einem Schild mit der Aufschrift "No more Guns, make Love".

El Paso. Zwei Tatorte, nur wenige Stunden lagen zwischen einem Blutbad und dem nächsten: In den USA sind zahlreiche Menschen Todesschützen zum Opfer gefallen. Es ist ein trauriges Ritual, das wütend macht, kommentiert Nils Rüdel.

Wieder einmal erschüttern Amokläufe die USA. Innerhalb weniger Stunden sterben in El Paso, Texas, und Dayton, Ohio, 29 Menschen im Kugelhagel von Attentätern. Wieder einmal zeigen sich die Politiker betroffen und senden „Gedanken und Gebete“ aus. Wieder einmal werden schärfere Waffengesetze gefordert. Und wieder einmal ändert sich am Ende – nichts. Es ist ein trauriges Ritual, das wütend macht.

Die Tat von El Paso spielt aber noch in einer anderen Dimension des Grauens: Mutmaßlich handelt es sich um einen rechtsterroristischen Akt. In diese Richtung ermittelt das FBI. Der Täter soll ein Sympathisant der „White Supremacy“ und voller Hass auf Nicht-Weiße sein. In seinem Pamphlet, das er kurz vor der Tat ins Internet gestellt haben soll, schreibt er von einer „Invasion“ von Hispanics in die USA und nimmt Bezug auf die Verschwörungstheorie von der „Umvolkung“. In diesem ideologischen Umfeld hat sich auch der Attentäter im neuseeländischen Christchurch bewegt, der 51 Muslime ermordete. Die Legende von der finsteren, regierungsamtlich orchestrierten „Umvolkung“ wird auch in Deutschland verbreitet. Sie ist die zentrale Ideologie der radikalen Rechten.

Das Attentat von El Paso platzt mitten hinein in eine überhitzte gesellschaftliche und politische Debatte, die jedes Maß und jeden Zwischenton zu verlieren droht. Das gilt besonders in den USA, aber längst nicht mehr nur dort. Landsleute begegnen Landsleuten mit Hass, vermeintlich Fremde werden verbal entmenschlicht. Dieser Hass schlägt irgendwann in Gewalt um. Und all die Zündler, die ihre politische Energie daraus ziehen, machen sich mitschuldig.

In einem solchen Klima sollte die Politik um Versöhnung bemüht sein. Aber wenn selbst ein US-Präsident mit rassistischen Attacken auf vermeintlich fremd aussehende Abgeordnete seine Fan-Basis aufstachelt oder – wie 2017 in Charlottesville – aufmarschierende Neonazis in Schutz nimmt, ist eher eine weitere, noch tiefere Spaltung zu befürchten. Wir sollten in Deutschland genau hinsehen, was in den USA passiert. Und nicht diesen Weg gehen.