Gedenkzug für "Charlie Hebdo" in Bonn

Lichterkette wird zu Lichtermeer

BONN. In Bonn haben sich am Sonntagabend etwa 1500 Menschen zu einem Gedenkzug an die Opfer des Attentats auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion aufgemacht.

Ein Mann ruft "Liberté, Egalité, Fraternité" in die Menge auf dem Friedensplatz. Kurze Zeit später stimmt eine kleine Gruppe die "Marseillaise", die französische Nationalhymne, an. 1500 Menschen singen mit. Für viele der Gänsehautmoment, der den Höhepunkt der Demonstration am Sonntag gegen die Terroranschläge von Paris ausmacht.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - dafür stand der Lichterzug, der vom Institut français an der Adenauerallee über den Marktplatz bis zum Friedensplatz marschierte. "Dass unser Aufruf solche Ausmaße annehmen würde, damit haben wir nicht gerechnet", sagte Kathrin Kühn vom Institut, das die Lichterkette mit der französischen Gemeinschaft organisiert hatte.

Alles fing nach dem Anschlag mit einer wenige Zeilen langen E-Mail an, die eigentlich den in Bonn lebenden Franzosen die Möglichkeit geben sollte, durch eine Lichterkette ihr Mitgefühl für die Opfer auszudrücken. Binnen Stunden wurde die E-Mail unzählige Male weitergeleitet, im sozialen Netzwerk Facebook wurde eine Gruppe gegründet, die zur Veranstaltung aufrief. Am Samstag hatte sie etwa 270 Mitglieder, am Sonntag schon 420. Und vor dem Institut kamen ab 17.30 Uhr noch einmal 1000 Menschen dazu. Aus der mit 50 Personen bei der Polizei angemeldeten Lichterkette wurde ein Lichtermeer.

Wer keine Kerze dabei hatte, ließ sein Handy leuchten. Auf den Plakaten stand "Je suis Charlie", der weltweite Solidaritätstext für die ermordeten Charlie-Hebdo-Autoren und die erschossenen Geiseln. "Wir sind nicht nur hier, um der unschuldig Gestorbenen zu gedenken", sagte die Französin Judith Adrien, die seit zehn Jahren in Bonn lebt. Es ginge auch darum, Flagge gegen den Terrorismus zu zeigen, friedlich in der Welt zusammenzustehen und ohne Angst in Freiheit leben zu können. "Gerade Bonn ist ein Symbol für das Miteinander, weil es eine UN-Stadt mit vielen Kulturen ist", sagte sie.

Die Meinungsfreiheit sei ein Wert, den es zu verteidigen gelte. Die Religion spiele da keine Rolle, genauso wenig wie die Hautfarbe. Die Demonstration sei aber nur ein kleiner Tropfen, auf den viel mehr folgen müsse, fand Claudie Merle. "Wir brauchen jetzt einen offenen Dialog. Wir müssen über gegenseitigen Respekt sprechen." Für sie seien einige Mohammed-Karikaturen respektlos. "Das rechtfertigt aber niemals eine solche Tat, wie sie in Paris geschehen ist."

Schon am Samstag hatte das Emanzipatorische Antifa-Bündnis auf dem Bonner Marktplatz demonstriert. Die Anschläge in Paris nahm man zum Anlass, um "gegen Volk, Nation und Umma" aufzurufen, Solidarität mit "Charlie Hebdo" zu bekunden sowie "Theokratie, Faschismus und Antisemitismus den Kampf" anzusagen. Man müsse klarmachen, dass das Problem des europäischen Islamismus sich nicht lösen lasse, indem man nur rufe: "Die da, die gehören nicht zu unserem Volk."