Kommentar zu Trump

Holzhammer-Politik

Im Battery Park in New York protestieren Demonstranten gegen das Dekret von US-Präsident Donald Trump, das einen Einreisestopp gegen Angehörige von sieben muslimischen Nationen verfügt.

Im Battery Park in New York protestieren Demonstranten gegen das Dekret von US-Präsident Donald Trump, das einen Einreisestopp gegen Angehörige von sieben muslimischen Nationen verfügt.

Istanbul. Mit jedem Foto von weinenden Familien, die durch Trumps Edikt auseinandergerissen werden, wächst die Wut auf einen von vielen Muslimen als selbstgefällig betrachteten Westen. Donald Trumps Krieg der Zivilisationen wird die Verständigung noch schwieriger machen.

Etwas Besseres hätte Al Kaida und dem Islamischen Staat nicht passieren können. Der Präsident der Vereinigten Staaten – der westlichen Führungsmacht, die auf der ganzen Welt als Beschützer von Freiheit und Menschenrechten auftritt – schließt die Tore des Landes für Muslime. Mit jedem Foto von weinenden Familien, die durch Trumps Edikt auseinandergerissen werden, wächst die Wut auf einen von vielen Muslimen ohnehin als heuchlerisch und selbstgefällig betrachteten Westen.

Donald Trumps Krieg der Zivilisationen wird den islamistischen Terrorismus nicht besiegen können – aber er wird die Verständigung noch schwieriger machen. Noch profitiert Trump von der Zurückhaltung wichtiger muslimischer Staaten wie Saudi-Arabien, Ägypten oder der Türkei, die von seinem Einreisestopp verschont blieben.

Aber was den Blick von Millionen Menschen in diesen Ländern auf den Westen angeht, hat Donald Trump schon in der ersten Amtswoche viel Schaden angerichtet. Zumal der Einreisestopp nicht Trumps einziges eindeutig anti-muslimisches Signal ist. Er hat angekündigt, die amerikanische Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, was den israelisch-palästinensischen Konflikt weiter anheizen könnte.

Gleichzeitig lässt der Präsident ein verstärktes US-Engagement in Syrien vorbereiten und deutet einen neuen Versuch an, irakische Ölvorräte unter US-amerikanische Kontrolle zu bringen. All das dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Sunnitische Extremisten könnten wieder mehr Freiwillige anziehen. Der Iran könnte die von Trump verstärkte antiwestliche Stimmung im Nahen Osten beim Ausbau seines Einflusses in der Region ausnutzen.

Nicht islamfeindlich genug

Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Trump diese Folgen bedacht hat. Der Populist an der Spitze der USA bedient die eigene Anhängerschaft, der es nicht islamfeindlich genug zugehen kann. Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn bezeichnete den Islam, eine der großen Weltreligionen, einmal als „Krebsgeschwür“. Rechtspopulisten in Europa werden Flynns Thesen dankbar aufgreifen und die Unvereinbarkeit von christlichem Westen und islamischem Osten predigen.

Inmitten dieser düsteren und gefährlichen Entwicklung gibt es einige Hoffnungsschimmer. In den USA gehen seit Tagen Zehntausende Menschen auf die Straße, um die Freilassung der an den Flughäfen internierten Muslime zu fordern. US-Großunternehmen beginnen mit Solidaritätsaktionen für Muslime und Flüchtlinge. Umfragen in Amerika legen nahe, dass Trumps antiislamische Rhetorik die Haltung vieler Bürger zu Muslimen positiv – und nicht negativ – beeinflusst hat.

Trump könnte sich deshalb wegen des steigenden Drucks im eigenen Land zu Änderungen seiner Holzhammer-Politik gezwungen sehen. Viele Menschen im Westen wie in der islamischen Welt hoffen darauf.