Privataudienz beim Pontifex Papst richtet Friedensbotschaft an Donald Trump

US-Präsident Trump zeigt sich schwer beeindruckt von Papst Franziskus. Und das, obwohl der Pontifex im Grunde so gar nicht auf seiner Linie ist.

 Papst Franziskus bei einer Privat-Audienz mit dem US-Präsidenten.

Papst Franziskus bei einer Privat-Audienz mit dem US-Präsidenten.

Foto: Evan Vucci

"Ich verlasse den Vatikan entschlossener denn je, den Frieden in unserer Welt zu verfolgen", twitterte Trump. Er nannte das Treffen eine "einmalige Ehre". Der Vatikan sprach von "herzlichen Gesprächen". Das Katholiken-Oberhaupt und der Republikaner versuchten mit dem Treffen auch, ihren Zwist aus dem vergangenen Jahr hinter sich zu lassen .

Der Besuch in Rom war nach Stationen in Saudi-Arabien und Israel zugleich der erste Aufenthalt von Trump in Europa als Präsident. Überall in der Stadt waren die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Nennenswerte Proteste gegen seinen Besuch gab es nicht. Nach einem Treffen mit dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella und Ministerpräsident Paolo Gentiloni reiste Trump weiter nach Brüssel, wo er am Donnerstag am Nato-Spitzentreffen teilnimmt. Danach geht es zurück nach Italien, wo er am Freitag und Samstag beim G7-Gipfel dabei ist.

Der Vatikan sprach nach der Audienz von "guten bilateralen Beziehungen". Man hoffe darauf, dass die Regierung und die katholische Kirche in den USA bei der Gesundheitsversorgung, Bildung und der Betreuung von Migranten zusammenarbeiteten, hieß es in einer Mitteilung. Franziskus überreichte dem Republikaner eine Medaille mit einem Olivenzweig und äußerte den Wunsch, dass er für den Frieden arbeiten werde. "Ein Symbol des Friedens", sagte der Argentinier. Trump antwortete: "Frieden können wir gebrauchen."

Trump zeigte sich beeindruckt von dem 80 Jahre alten Papst. "Er hat etwas. Er ist wirklich gut. Wir hatten ein fantastisches Treffen und eine fantastische Tour, es war wunderschön."

Trump und Franziskus berieten dem Weißen Haus zufolge auch über den Kampf gegen den Terrorismus und darüber, was religiöse Gemeinschaften gegen das Leid in Krisenregionen wie Syrien und Libyen sowie in den von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Gebieten tun können. Trump habe den Papst wissen lassen, dass die USA 300 Millionen Dollar - umgerechnet etwa 270 Millionen Euro - in die Hungerhilfe investieren wollen, um Staaten wie den Jemen, den Sudan, Somalia und Nigeria zu unterstützen.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin habe im Vatikan außerdem das strittige Thema Klimawandel angesprochen und Trump ermutigt, die Mitgliedschaft im Pariser Klimaabkommen aufrechtzuerhalten, wie Außenminister Rex Tillerson auf dem Flug von Rom nach Brüssel nach Angaben von mitreisenden Journalisten sagte. Trump habe gesagt, dass er über den Verbleib in dem Vertrag noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe, fügte Tillerson hinzu.

Es war die erste Begegnung zwischen Franziskus und dem Präsidenten. Während Franziskus immer wieder mehr Bemühungen um Umwelt- und Klimaschutz anmahnt, hat das Thema unter Trump keine Priorität. Im vergangenen Jahr hatten sie sich außerdem in der Debatte um eine Mauer an der Grenze zu Mexiko kritisiert. Kurz vor dem Besuch von Trump hatte sich Franziskus offen gezeigt und gesagt, dass er auf einen aufrichtigen Austausch mit dem US-Präsidenten hoffe. Trump äußerte sich ähnlich.

Trump versicherte Franziskus am Mittwoch, er werde dessen Worte in Ehren halten. "Danke, danke, ich werde nicht vergessen, was Sie gesagt haben."

Mit auf den Weg gab der Pontifex dem US-Präsidenten auch seine 2017 veröffentlichte Friedensbotschaft, die er für ihn unterschrieben hatte. Außerdem schenkte er ihm drei seiner Lehrschreiben - darunter die zweite Enzyklika "Laudato si'", die sich mit dem Umwelt- und Klimaschutz befasst. "Ich werde sie lesen", versicherte Trump. Er überreichte Franziskus eine Box mit Büchern von Martin Luther King sowie eine Bronze-Skulptur.

Der Republikaner ist nicht für eine überzeugte Religiosität bekannt . Andere Präsidenten zeigten ihren Glauben oft leidenschaftlich, bei dem 70-Jährigen fehlt das. Er ist Presbyterianer, das ist der größte Zweig der reformierten Kirchen. Er bezeichnet sich als Protestant. Mit dem christlichen Gedanken der Vergebung kann er nach eigenem Bekunden nichts anfangen.

Der Präsident wurde bei seiner Ankunft begleitet von seiner Frau Melania und Tochter Ivanka, die beide schwarze Kleider und schwarze Schleier trugen. Nach dem Besuch im Vatikan fuhr die First Lady in ein römisches Kinderkrankenhaus, wo sie mit Kindern malte und Selfies machte.

Ivanka besuchte die Hilfsorganisation Sant'Egidio. Dort sprach sie mit mehreren Frauen aus Nigeria, die Opfer von Menschenhandel geworden waren. Erfahren zu können, welche Probleme diese durchgemacht und wie sie es schließlich geschafft hätten, ihr Leben wieder aufzubauen, sei eine Ehre für sie, sagte Ivanka Trump. Der Besuch der engsten Vertrauten des Präsidenten bei einer Organisation, die sich auch für Flüchtlinge einsetzt, wurde als positives Zeichen gewertet.

Weitere Infos

  • Papst Franziskus war bei der Audienz mit der Familie Trump offenbar auch zu Scherzen aufgelegt. Nach dem Privatgespräch mit dem US-Präsidenten witzelte der 80-jährige Pontifex mit First Lady Melania über die Essgewohnheit ihres Mannes: "Was geben Sie ihm zu essen?", übersetzte der Dolmetscher die Frage.

Unklar war, ob der Argentinier im spanischen Original Pizza oder Potica, eine Art slowenischer Nusskuchen (dt. Potitze), genannt hatte. Im offiziellen Reporterpool des Weißen Hauses wurde Melanias Antwort zunächst mit "Pizza" übersetzt. Danach hieß es jedoch, dass sie wohl "Potica" gesagt habe. Die First Lady stammt aus Slowenien. Und der Papst gilt als Liebhaber des Kuchens - aber auch als Pizza-Fan hatte er sich schon geoutet.

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