Kommentar zum Sieg von François Fillon

Fillon ist noch nicht Präsident

François Fillon zieht für die französischen Konservativen in die Präsidentschaftswahl.

François Fillon zieht für die französischen Konservativen in die Präsidentschaftswahl.

Paris. Ob François Fillon auch die Präsidentschaftswahlen gewinnen kann, ist noch längst nicht ausgemacht und hängt auch von den Gegenkandidaten ab.

François Fillons Vorteil war es, während eines langen Wahlkampfs unterschätzt zu werden. Doch die Wähler zog er an durch seine lässige Selbstsicherheit und das unmissverständliche Eintreten für einen Kurswechsel. Der wird nicht jedem gefallen: Weder den Beamten, deren Zahl er um eine halbe Million verringern will, noch den Arbeitnehmern, die er statt 35 Stunden pro Woche 39 oder mehr arbeiten lassen will – bei gleicher Bezahlung. Zwar verspricht er, Steuern und Abgaben zu senken, aber doch in erster Linie für die Unternehmen. Liberalismus in der Wirtschaftspolitik, wie er ihn bewirbt, gilt vielen Franzosen als Schimpfwort.

Ob Fillon auch die Präsidentschaftswahlen gewinnen kann, ist deshalb noch längst nicht ausgemacht und hängt auch von den Gegenkandidaten ab. Für Präsident Hollande, der entschlossen scheint, nochmals anzutreten, erscheint Fillon als vorteilhafter Gegner. Er polarisiert stärker als Juppé, mit dem sich auch Linkswähler anfreunden konnten und ermöglicht den Sozialisten, ein traditionell linkes Programm anzubieten.

Für Rechtspopulistin Marine Le Pen wiederum dürfte der 62-jährige Konservative schwieriger zu bekämpfen sein, da er viele ihrer Themen abdeckt: Fillon steht für eine innenpolitisch harte Linie und zeigt wie Le Pen Wohlwollen gegenüber Russland. Indem er sich klar gegen eine multikulturelle Gesellschaft und für die „Assimilation“ von Einwanderern ausspricht, stellt er auch den rechten Flügel seiner Partei zufrieden, der mit einem Kandidaten Juppé vielleicht zum Front National abgewandert wäre.