Kommentar zum EU-Gipfel

Falsche Grundlage

Wirbt für den Verbleib seines Landes in einer reformierten EU: David Cameron.

Wirbt für den Verbleib seines Landes in einer reformierten EU: David Cameron.

London. Steht Großbritannien ein „Bürgerkrieg“ bevor, wie einige Zeitungen bereits mutmaßen? Tatsächlich sind in der EU-Frage sowohl die großen Parteien als auch das Land tief gespalten.

Das Wochenende gab bereits einen Vorgeschmack auf den viermonatigen Ausnahmezustand. Flüchtlingskrise? Griechenland-Krise? Man könnte meinen, dabei handele sich lediglich um Probleme des fernen Kontinents. Großbritannien ist derzeit zu sehr mit sich sowie der Diskussion um die EU-Mitgliedschaft beschäftigt und zeigt wieder einmal, wie insular das Land mittlerweile tickt.

Camerons Regierungskollegen sind dem stets meckernden Sonderschüler aus London weit entgegengekommen, doch Dankbarkeit sucht man im Königreich vergebens. Vielen Briten gehen die Zugeständnisse nicht weit genug. Noch immer vermitteln die meisten Medien den Eindruck, dass in der emotionslosen Geschäftsbeziehung zwischen Brüssel und Westminster die Kosten den Nutzen übersteigen. Gleichwohl vergessen die Kritiker auf egoistische Weise, dass die Union ein Club ist, der seine Stärke aus der Gemeinschaft zieht, nicht aus Ausscherern, die unaufhörlich Extrawürste verlangen. Oder wissen sie es nicht besser?

Die Kenntnisse über die Europäische Union sind in Großbritannien erschreckend gering – selbst unter Parlamentariern. Nur so lässt sich erklären, warum die Austrittsbefürworter Erfolg haben, obwohl sie für das große Unbekannte werben, häufig vermischt mit Anflügen von Größenwahn und nicht selten auf falscher Grundlage.